Bitte um Einsicht und ein offenes Herz – 23. Sonntag im Jahreskreis C

Erste Lesung aus dem Buch der Weisheit, Kapitel 9
13 Welcher Mensch kann Gottes Plan erkennen, / oder wer begreift, was der Herr will?
14 Unsicher sind die Überlegungen der Sterblichen / und einfältig unsere Gedanken;
15 denn ein vergänglicher Leib beschwert die Seele / und das irdische Zelt belastet den um vieles besorgten Verstand.
16 Wir erraten kaum, was auf der Erde vorgeht, / und finden nur mit Mühe, was auf der Hand liegt; / wer ergründet, was im Himmel ist?
17 Wer hat je deinen Plan erkannt, wenn du ihm nicht Weisheit gegeben / und deinen heiligen Geist aus der Höhe gesandt hast?
18 So wurden die Pfade der Erdenbewohner gerade gemacht / und die Menschen lernten, was dir gefällt;
19 durch die Weisheit wurden sie gerettet.

Aus dem Evangelium nach Lukas, Kapitel 14
In jener Zeit
25 begleiteten viele Menschen Jesus; da wandte er sich an sie und sagte:
26 Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger – und meine Jüngerin – sein.
27 Wer nicht sein Kreuz trägt und hinter mir hergeht, der kann nicht mein Jünger sein
28 Denn wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich dann nicht zuerst hin und berechnet die Kosten, ob seine Mittel für das ganze Vorhaben ausreichen?
29 Sonst könnte es geschehen, dass er das Fundament gelegt hat, dann aber den Bau nicht fertig stellen kann. Und alle, die es sehen, würden ihn verspotten
30 und sagen: Der da hat einen Bau begonnen und konnte ihn nicht zu Ende führen.
31 Oder wenn ein König gegen einen anderen in den Krieg zieht, setzt er sich dann nicht zuerst hin und überlegt, ob er sich mit seinen zehntausend Mann dem entgegenstellen kann, der mit zwanzigtausend gegen ihn anrückt?
32 Kann er es nicht, dann schickt er eine Gesandtschaft, solange der andere noch weit weg ist, und bittet um Frieden.
33 Ebenso kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet.

Autorin:
Greiner-Jopp Gabriele 2017Gabriele Gereiner-Jopp lebt in Wendlingen und war als Gemeindereferentin, Dekanatsreferentin und Geistliche Beraterin tätig

 
Die Predigt:
Bitte um Einsicht und ein offenes Herz

Liebe Leserin, lieber Leser,
„Es ist das Geheimnis guter Bücher, ebensolche Leser zu finden.“ Das findet der Aphoristiker Nikolaus Cybinski. Zwei Bücher, das Buch der Weisheit aus dem ersten Testament (AT) und das Lukasevangelium aus dem Neuen Testament, lernen wir heute durch die Lesungen etwas kennen. Zwei gute Bücher, wie ich finde, und wie allen guten Bücher brauchen sie unsere Zeit, unsere Beschäftigung damit und unser Interesse an ihrem Inhalt.

Das Buch der Weisheit ist im ersten Jahrhundert unserer Zeit entstanden. Es setzt sich mit Fragen auseinander wie: Ist es nicht lächerlich an Gott zu glauben, wenn wir nichts von Gottes Wirken in der Welt sehen, oder lohnt es sich auf Gott zu vertrauen, wenn immer das Risiko besteht früh zu sterben? Fragen, die bis heute aktuell sind, wie mir scheint. Außerdem ist „das Buch ist als Mahnrede des weisen König Salomon an die Machthaber dieser Welt gestaltet.“ (Ruth Scoralick). Auch den heute Mächtigen in Staat, Gesellschaft und Kirchen ist es zu empfehlen.

Die Lesung aus dem Buch der Weisheit heute stellt unsere menschlichen Fähigkeiten und Erkenntnisse in Frage. Sie begrenzt uns in einen normalen, menschlichen Rahmen. Wer sich allmächtig bzw. übermächtig fühlt und danach verhält kann sich nicht auf Gott berufen. Weise und klug handeln Menschen, die nicht sein wollen wie Gott, sondern immer wieder darum beten und ringen, göttliches Wirken zu erkennen und dann handeln.
Erschreckend und ärgerlich finde ich es – und angesichts dieser Lesung besonders – wenn Kirchenführer aller Konfessionen dann behaupten genau zu wissen, was Gott will. Denn: Wir erraten kaum was auf der Erde vorgeht und finden nur mit Mühe was doch auf der Hand liegt( ein Synodaler Weg in der Krise zum Bsp..); wer kann dann ergründen, was im Himmel ist? Weise im Sinne Salomons ist, wer sich als Mensch nicht mit Gott auf eine Stufe stellt, sondern um Einsicht bittet, um ein offenes Herz für andere Menschen. Und wer damit rechnet, dass Gottes Geist auch in Menschen wirkt, die anders denken und handeln als man selbst.

Weise und klug zu handeln, darum geht es auch im Lukasevangelium. Es ist um 145 nach Christus entstanden und richtet sich an judenchristliche Gemeinden. Das Lukasevangelium rechnet damit, dass sich die Gerechtigkeit Gottes durchsetzt, entgegen allen äußeren Anzeichen. Zeitraum, Themen und Leserkreise sind ähnlich, nicht gleich, wie beim Buch der Weisheit.

Jesus zeigt an den Beispielen des Bauherrn und Königs, dass es wichtig ist, die Folgen unseres Handelns zu bedenken. Gerade dann, wenn wir ihm nachfolgen. Weise sind wir, wenn wir uns überlegen, wie für uns Nachfolge aussieht und was uns diese „kostet“. Es ist gut zu überlegen, für jede und jeden von uns, was denn das eigene Kreuz sein könnte, das wir aufnehmen und tragen. Nicht weil es andere uns auferlegen oder gar aufzwingen, sondern weil es unser eigener Weg ist, Jüngerin und Jünger Jesu zu sein. So wie dieser seinen Weg gefunden hat und gegangen ist. Es ist wichtig für jede und jeden von uns zu überlegen, was denn der eigene Besitz ist, an dem wir festhalten, statt in Freiheit und Autonomie Jesus nachzufolgen. Jesus nachzufolgen kann bedeuten, im eigenen Leben zu verwirklichen, was wir vom Evangelium verstanden haben, zu leben, was uns an der Botschaft Jesu fasziniert.

Und wenn das unser Kreuz ist, das wir auf uns nehmen, dann sind wir mit dem Himmel (Längsachse) und den Menschen/der Schöpfung (Querachse) verbunden.
Damit uns das ein Leben lang gelingt, dafür brauchen wir ein weises Herz, einen offenen Geist und immer wieder mal den Blick in ein gutes Buch.

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