Vertrauen auf Gott und in das eigene Kind – 22. Sonntag im Jahreskreis C und zum Fest der Hl. Monika und des Hl. Augustinus

Erste Lesung aus dem Buch Jesus Sirach, Kapitel 3
17 Mein Sohn, bei all deinem Tun bleibe bescheiden / und du wirst geliebt werden von anerkannten Menschen.
18 Je größer du bist, umso mehr demütige dich, / und du wirst vor dem Herrn Gnade finden.
20 Denn groß ist die Macht des Herrn, / von den Demütigen wird er gerühmt.
28 Es gibt keine Heilung für das Unglück des Hochmütigen, / denn eine Pflanze der Bosheit hat in ihm Wurzel geschlagen.
29 Das Herz eines Verständigen wird einen Sinnspruch überdenken / und das Ohr des Zuhörers ist die Sehnsucht des Weisen.
30 Wasser löscht loderndes Feuer / und eine Liebestat sühnt Sünden.

Autorin:
csm_Gabriele_Kraatz_2015-05-13_EBO-MA_137n_fb567737d8Gabriele Kraatz, Dipl. Theol, Geistliche Begleiterin und Dekanatsreferentin in Heidenheim

 
Die Predigt:
Vertrauen auf Gott und in das eigene Kind

Liebe Leserin, lieber Leser,
es gibt in der christlichen Tradition wichtige Mutter-Sohn-Beziehungen, allen voran die von Maria und Jesus. An diesem Samstag und Sonntag feiern wir nach dem liturgischen Kalender den Gedenk- und Festtag von einer weiteren tiefen Mutter-Sohn-Beziehung: Der Hl. Monika und des Hl. Augustinus. (27. Und 28.August)

Monika wurde im Jahr 332 in Tagaste, dem heutigen Souk-Ahras in Algerien, als Tochter einer christlichen Familie geboren. Entgegen den Sitten der damaligen Zeit durfte Monika studieren; in der Kunst wird sie oftmals im Kreis von Philosophen als einzige Frau dargestellt. Sie befasste sich intensiv mit der Heiligen Schrift und der Bedeutung Christi für ihr Leben. Mit 18 Jahren heiratete sie den Heiden Patricius, der sich später dem Christentum zuwandte, und wurde Mutter von drei Kindern, von denen Augustinus der jüngste Sohn war. Eine gebildete, selbstbewusste Frau!

Augustinus beschreibt sich selbst als eigensinnigen Sohn, der orientierungslos, in sich selbst verliebt in den Tag hineinlebte. Ausschweifungen und Ruhelosigkeit prägten sein „erstes Leben“. Als sich Augustinus den Manichäern anschloss, ein Glaube, der auf den Religionsstifter Mani (216 – 277) zurückgeht und einen Kampf zwischen der Welt des Lichtes und der Finsternis predigt, griff Monika durch. Sie wollte ihn nicht mehr im Haus haben – ein aus unserer heutigen Sicht hartes Verhalten. Ein Traum bewog sie aber, Augustinus wieder zu Hause aufzunehmen und ihn dann intensiv zu begleiten. Dabei war es weiterhin nicht einfach: Ihr Mann starb früh und sie war sozusagen „Alleinerziehende“. Sie sorgte aber nachdrücklich auch für die fehlende „männliche Seite“: Auf ihr Drängen hin standen ihrem Sohn namhafte Männer und Priester zur Seite.

Man könnte fast sagen: ein ganz moderner Erziehungsstil. Söhne brauchen Männer! Wenn kein Vater da ist, eben „Ersatzväter“, andere Männer mit einer guten, wenn möglich spirituellen Autorität. In einer Großfamilie ist es üblich, zumindest eine Auswahl an Bezugspersonen zu haben, unsere modernen Kleinfamilien sind da eher die Wurzel mancher Übel.

Ist es nicht merkwürdig, dass gerade eine so patriarchal geprägte Kirche wie die unsrige auf diese Situation keine Antwort hat? Denn auch die „Patriarchen“, sprich Priester sind oft keine Männer, die eine gute Vaterrolle einnehmen können. Was heißt da aber „gut“ bei einem so machtvollen Gottesbild des Vaters? Wir müssen neben der Frage nach dem guten Gottesbild eben heute auch die Frage nach dem guten Vaterbild Gottes stellen. Gerade wenn man Gott mit dem Gebet Jesu ehrt und kein Gottesdienst ohne die standhafte Verehrung des Männlichen bzw. des Vaters auskommt, stellt sich auch die Frage: Wie kann das Vaterbild Gottes – neben allen Genderfragen – auch als Vorbild im guten Sinne wirken? Wie werden aus Jungs „erwachsene“, d.h. mitfühlende, tolerante, starke und spirituelle Männer? Ein hoher Anspruch, ich weiß.

Für mich aber ist wichtig: Monika hat zu ihrem Glauben an ihren Sohn gefunden. Ich finde das bewundernswert. Sie stellte nicht mehr die Frage „Was soll aus dem noch werden?“, sie folgte nicht ihrem Zweifel, sie glaubte – auf Grund ihres Glaubens an Gott – fest an einen gut-werdenden Weg ihres Sohnes. Das fordert mich als Mutter und Christin heraus. Glaube versetzt ja manchmal Berge.

Benedikt XVI. empfahl das Vorbild Monikas allen modernen Müttern: „Wie viele Schwierigkeiten gibt es auch heute in den familiären Beziehungen, und wie viele Mütter sind besorgt, weil ihre Kinder falsche Wege einschlagen! Monika, eine weise und im Glauben gefestigte Frau, lädt sie ein, den Mut nicht zu verlieren, (…) indem Sie stets festes Vertrauen zu Gott haben und beharrlich am Gebet festhalten.“ Ich möchte dies mit dem Zusatz „Vertrauen in das Kind“ ergänzen. Es wäre ein schönes sichtbares Zeichen christlicher Erziehung, dieses felsenfeste sichtbare Vertrauen, das ein Zutrauen ist. Monika hat jedenfalls ihr Ziel erreicht. Augustinus hat einen für ihn gangbaren Weg dann doch gefunden.

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