Suche den Frieden und jage ihm nach – 6. Sonntag der Osterzeit C

Aus dem Evangelium nach Johannes, Kapitel 14
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern – und Jüngerinnen:
23 Wenn jemand mich liebt, wird mein Wort halten; mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm Wohnung nehmen.
24 Wer mich nicht liebt, hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, stammt nicht von mir, sondern vom Vater, der mich gesandt hat.
25 Das habe ich zu euch gesagt, während ich noch bei euch bin.
26 Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.
27 Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht, wie die Welt ihn gibt, gebe ich ihn euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht.
28 Ihr habt gehört, dass ich zu euch sagte: Ich gehe fort und komme wieder zu euch. Wenn ihr mich liebtet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich.
29 Jetzt schon habe ich es euch gesagt, bevor es geschieht, damit ihr, wenn es geschieht, zum Glauben kommt.

Autorin:
M. Rings-KleerMarita Rings-Kleer, Gemeindereferentin in der Pfarreiengemeinschaft Altenkessel-Klarenthal, Diözese Trier

 
Die Predigt:
Suche den Frieden und jage ihm nach

Liebe Leserin, lieber Leser,
im Bibelgesprächskreis nach Ostern hatten wir uns die Emmaus-Geschichte vorgenommen. Im anschließenden Gespräch stellten wir dann fest, dass Jesus sich den Jüngerinnen und Jüngern nach seiner Auferstehung in ganz unterschiedlicher Weise „gezeigt“ hat.
– Den beiden Emmaus-Jüngern „brannte das Herz“ als er ihnen das Schriftwort deutete, dann gingen ihnen beim Brotbrechen die Augen auf,
– Maria von Magdala lässt sich von Jesus ansprechen,
– die Fischer um Petrus sehen Jesus, wie er Fisch und Brot am Kohlenfeuer zubereitet.
Für uns in der Runde wurde dann schnell klar, dass auch jede von uns auf ihre ganz persönliche Weise „dem Auferstanden“ begegnet.

Für die eine ist es das Schriftwort, für die andere die Eucharistie oder wieder eine andere spürt Jesus heute im caritativen Tun. Neu war diese Erkenntnis für uns nicht, eher eine Vergewisserung. Wir wissen auch, dass unser Reden von Gott ebenfalls vor unserem ganz persönlichen Erfahrungs-Horizont stattfindet. Wir können Gott und sein Wirken nur mit DEN Worten und den Bildern beschreiben, die wir kennen und in uns tragen. Wer als Mensch Liebe erfahren hat, kann Gott auch als „die Liebe“ bezeichnen. Wer keine Zuneigung erfahren hat, tut sich mit einem liebenden Gott eher schwer. Und immer müssen wir auch zugeben, dass all unsere Beschreibungen nur bruchstückhaft sind, nie das wirklich aussagen können, was Gott tatsächlich ist.

Was für Gott selbst gilt, gilt auch für den Frieden. Auch ihn können wir nur vor unserem je eigenen Erlebenshorizont benennen. Für die einen ist es das bloße Schweigen der Waffen, das Fernbleiben von Gewalt und Tod, für die anderen gehören auch Raum für Entwicklung und Entfaltung mit dazu und für wieder andere ist Wohlstand Teil des Friedens. Die Frage nach dem Frieden in unserer Welt ist aktuell dringender denn je und in allen Kreisen wird mittlerweile über richtige Wege zum Frieden diskutiert und beraten und auch darüber, was Frieden denn nun ist. Dabei ist aber jeweils die Tatsache, dass eigentlich jeder Mensch etwas anderes darunter versteht, nicht wirklich hilfreich.

Jesus selbst gibt uns im heutigen Evangelium die Antwort auf die Frage: Was ist richtiger Frieden? Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch.
In einem neuen geistlichen Lied heißt es ergänzend:
„Friede soll mit euch sein,
Friede für alle Zeit,
nicht so wie ihn die Welt euch gibt,
Gott selber wird es sein.“

Schlauer bin ich mit dieser Aussage zunächst einmal nicht. Denn schon stoße ich auf die schier unüberwindliche Barriere meiner Vorstellungskraft. Ich kann mir nicht vorstellen, wie Gott ist, ich bleibe immer im Klein-Klein meiner Erfahrungen und Vorstellungen hängen, also kann ich mir auch Gottes Frieden nicht vorstellen. An anderer Stelle in der Bibel heißt es ja auch: Ich gebe euch .. einen Frieden, der alles Verstehen übersteigt… (Phil 4,7).

Wie also können wir „kleinen Menschen“ den „großen Frieden“ begreifen? Die Antwort lautet: gar nicht! Denn der Frieden ist mir gegeben, geschenkt, hinterlassen. Ich brauche ihn nicht selbst definieren oder beschreiben, aber ich muss ihn suchen.

Und wenn ich ihn sehe, dann erkenne ich ihn auch, wenigstens den einen kleinen Zipfel, der an dieser Stelle da ist und dem ich dann zu folgen habe. So wie im Leitwort von Pax Christi: „Suche den Frieden und jage ihm nach.“ Nur weil der Frieden so unendlich groß ist, bin ich nicht davon befreit, das Suchen zu lassen. Im Gegenteil: weil er so groß ist, muss ich mich ranhalten und da friedlich leben, wo ich gerade bin. Oder auch Frieden schaffen, wo er gerade am Verschwinden ist.

In meinem Garten habe ich, nachdem absehbar war, dass der Ukraine-Krieg nicht schnell zu Ende geht, eine Friedens-Fahne aufgestellt. Bunt flattert sie seitdem im Wind. Aber der Wind ist launisch. Oft genug weht er so, dass der Schriftzug „Pace“ von der Straße nur rückwärts zu lesen ist. Nicht gut, denke ich. Aber dann macht mich mein Mann darauf aufmerksam, dass dann, wenn der Wind entsprechend bläst, der Schriftzug von uns aus gut zu lesen ist. Der Wind als Gehilfe des Heiligen Geist. Wie schön, denke ich.

Denn Frieden fängt immer bei mir, bei uns ans an. Es gibt so viele Situationen im ganz alltäglichen Leben, in denen ich mit ganz wenig gutem Tun, Frieden schaffen kann, Streit verhindern oder deeskalieren kann.
Es gibt so viel kleines Tun, durch das ich den Frieden, der ja schon in der Welt ist, sichtbar machen kann. Dieser kleine, manchmal winzige Friede, entspricht meiner Wahrnehmung, meiner Erfahrung und meinem Handeln.

Mein Leben-Erkenntnis-Muster liegt auf diesem Frieden. Da ist natürlich noch unendlich viel Raum bis zum richtigen Frieden für die Welt. Aber es ist ein Anfang und es ist mein Anfang. Außerdem bin ich dabei in bester Gesellschaft: Nach Ostern haben die Jüngerinnen und Jünger die Auferstehung durch ihr Leben-Erkenntnis-Muster verstanden, jede und jeder auf seine, ganz persönliche Weise und sie waren klug genug, der Nachwelt diese verschiedenen Facetten als mögliche Muster weiterzugeben.

Vielleicht sind wir heute ja auch so klug, und versuchen das gleiche Modell beim Frieden für die Welt noch einmal. Damals war der Glaube an die Auferstehung neu und unsäglich. Aber: Jesus war auferstanden.
Heute sollen wir einen Frieden, nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt… leben. Unmöglich, sagen wir!

Aber Jesus hat ihn uns gegeben, geschenkt, er ist da. Machen wir uns also auf die Suche!

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