Es kann so einfach sein – 2. Sonntag im Jahreskreis C

Aus dem Evangelium nach Johannes, Kapitel 2
In jener Zeit
1 fand in Kana in Galiläa eine Hochzeit statt und die Mutter Jesu war dabei.
2 Auch Jesus und seine Jünger waren zur Hochzeit eingeladen.
3 Als der Wein ausging, sagte die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr.
4 Jesus erwiderte ihr: Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.
5 Seine Mutter sagte zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut!
6 Es standen dort sechs steinerne Wasserkrüge, wie es der Reinigungssitte der Juden entsprach; jeder fasste ungefähr hundert Liter.
7 Jesus sagte zu den Dienern: Füllt die Krüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis zum Rand.
8 Er sagte zu ihnen: Schöpft jetzt und bringt es dem, der für das Festmahl verantwortlich ist. Sie brachten es ihm.
9 Dieser kostete das Wasser, das zu Wein geworden war. Er wusste nicht, woher der Wein kam; die Diener aber, die das Wasser geschöpft hatten, wussten es. Da ließ er den Bräutigam rufen
10 und sagte zu ihm: Jeder setzt zuerst den guten Wein vor und erst, wenn die Gäste zu viel getrunken haben, den weniger guten. Du jedoch hast den guten Wein bis jetzt aufbewahrt.
11 So tat Jesus sein erstes Zeichen, in Kana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit und seine Jünger glaubten an ihn.

Autorin:
csm_Buddeus-Steiff_8da84cf3e5Elisabeth Buddeus-Steiff, Gemeindereferentin a.D., arbeitet als freiberufliche Organisationsentwicklerin, Pilgerbegleiterin, Coach und geistliche Begleiterin

 
Die Predigt:
Es kann so einfach sein

Liebe Leserin, lieber Leser, liebe Menschen auf der Suche nach Gott,
als ich mich auf diese Predigt vorbereitet habe, war ich zuerst mal überfordert von der Theologie des Johannesevangeliums. Bei ihm ist ja einiges anders als bei den anderen Evangelien. Ich war auf der Suche nach der Bodenständigkeit der frohen Botschaft. Und dann steht da etwas von “Wunder“ oder „Zeichen“. Also etwas, was man vielleicht eh nicht erklären kann; wenn es eins zu eins übersetzbar und rational verständlich wäre, wäre es kein Wunder oder Zeichen mehr. Das erfordert für Sie als Leserin als Leser schon etwas mehr Erspüren und Verstehen auf verschiedenen und verborgenen Ebenen. Aber dem wollen Sie sich ja stellen, oder?!

Theologisch brauchen wir ein Vorzeichen zum Verstehen des Evangeliums: Johannes beginnt: „Im Anfang war das Wort…“ Diese Weihnachtsbotschaft wird uns noch in den Ohren und Herzen nachklingen: Gott ist Mensch geworden und mit Jesus ist eine neue Zeit angebrochen. Und was es mit dieser neuen Zeit auf sich hat, entfaltet Johannes in vielfältiger Form und auf verschiedenen Ebenen: Das, was ich als frohe Botschaft in und von dieser Perikope verstanden habe, möchte ich mit Ihnen teilen. Vielleicht ist es ja für Sie auch frohe und befreiende Botschaft?!

Ein erstes: Manch einer mag über den Dialog der Mutter Jesu mit ihrem Sohn etwas stolpern: Sie benennt, dass kein Wein mehr da ist und will damit bestimmt eine Botschaft durch die Blume vermitteln. Die Antwort Jesu hören viele als barsch: Was willst du von mir, Frau! Meine Stunde ist noch nicht gekommen! Wie Gespräche zwischen Müttern und Kindern manchmal verlaufen, weiß jede*r aus eigenem Erleben gut genug. Aber Johannes bleibt gerade nicht auf dieser rein menschlichen Beziehungsebene stehen. Seine Botschaft heißt: um des Himmelreiches willen, zählen nicht mehr gute Beziehungen in der Familie, der Druck, dem anderen etwas zuliebe zu machen, auch wenn man nicht will, oder wenn es um Macht geht. Mit der neuen Zeit, die beginnt, sind all die Schwestern und Brüder, die am Reich Gottes bauen wollen. Da ist man losgelöst von familiären Verstrickungen. Die frohe Botschaft: Macht euch frei! Um eines Größeren Willen, verzichtet auf Konventionen und „Das macht man nicht!“. Ist das nicht befreiende Botschaft genug?!

Ein nächstes ermutigt mich bei diesem Evangelium: Jesus wendet keine Zauberformel, keinen Beschwörungstrick oder sonst etwas an, sondern er beauftragt die Mundschenke das zu machen, was ihre Aufgabe ist, das, was ihr Alltag ist. Und?! Der Erfolg?! Genau dabei passiert das Wunder! Bei dem, was ich gerade mache, bei dem, was mein Auftrag ist, fängt die neue Zeit an. Weil ich dies mit den neuen Augen Gottes deute. Das Selbstverständliche wird heilig. Wie oft denken Menschen, sie müssten besonders fromm sein. Nein, es fängt im Alltag an: Mir wie auch den anderen freundlich begegnen. Nicht gleich Ansprüche haben, sondern mich und die anderen als ein Geschenk sehen. Welche Zeichen schickt mir Gott im Alltag durch den Menschen, der mir gerade begegnet. Dafür sensibel werden, dazu ruft mich das Evangelium auf.

Ein drittes und letztes zu diesem Erlebnis der Jünger mit Jesus: Die Jünger waren einfach dabei und sie haben gespürt, dass die neue Zeit, von der Jesus redet, gerade Wirklichkeit geworden ist. Raus aus Konventionen, nichts als selbstverständlich nehmen, keine Beschwörungsformeln, keine Rezepte von Jesus abschauen, sondern viel mehr: das Leben mit den Augen Gottes sehen, die neue Zeit Wirklichkeit werden lassen. Und schon verändert sich die Welt! Es kann so einfach sein, es fordert unser Vertrauen in das Leben. Und das will uns Jesus jeden Tag neu schenken. Wir dürfen es jeden Tag und gerade im Alltag neu spüren. Genuss und Fülle, Johannes verwendet das Bild des Weines, sind die frohe Botschaft, auch wenn der Strahl vom Kreuz her nicht ausgeblendet wird.

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