Alles beginnt mit Gottes bedingungslosem Zuspruch – Fest der Taufe des Herrn C

Aus dem Evangelium nach Lukas, Kapitel 3
In jener Zeit
15 war das Volk voll Erwartung und alle überlegten im Herzen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Christus sei.
16 Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Riemen der Sandalen zu lösen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.
21 Es geschah aber, dass sich zusammen mit dem ganzen Volk auch Jesus taufen ließ. Und während er betete, öffnete sich der Himmel
22 und der Heilige Geist kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab, und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.

Autorin:
Elisabeth SchmitterElisabeth Schmitter, Pastoralreferentin a.D. der Diözese Rottenburg-Stuttgart, spricht in Verkündigungssendungen des SWR

 
Die Predigt:
Alles beginnt mit Gottes bedingungslosem Zuspruch

Liebe Leserin, lieber Leser, liebe Brüder und Schwestern,
mit diesem Sonntag schließt das Kirchenjahr die Weihnachtszeit ab. Und die Evangelientexte, die wir heute und in nächster Zeit hören werden, machen quasi einen Zeitsprung. Das Kind Jesus, von dem die Weihnachtszeit erzählt hat, ist ein erwachsener Mann geworden. Von den dreißig Lebensjahren, die dazwischen liegen, erfahren wir so gut wie nichts. Sie werden wohl ähnlich unspektakulär verlaufen sein wie bei allen anderen Menschen, die geboren werden, wachsen, sich entwickeln und schließlich erwachsen sind. Gott wird einer von uns, ein Mensch mit allem, was dazugehört, das war die Botschaft von Weihnachten. Und das ist auch die Botschaft, die wir heute hören, in der Geschichte von der Taufe Jesu.

Als Jesus zum ersten Mal öffentlich auftritt und öffentlich wahrgenommen wird, da reiht er sich ein. Er steht in der langen Reihe derer, die sich von Johannes aufrütteln lassen und zum Zeichen für ihre Umkehr nun von ihm getauft werden. Mitten drin finden wir ihn, unter all den großen und kleinen Sündern, bei den ‚Leuten‘ eben. Er selbst hält sich nicht für ‚etwas Besseres‘, erst die kirchliche Lehre hat festgelegt, dass er der absolut schuldlose Mensch ist, sich damit von allen anderen Menschen der gesamten Weltgeschichte unterscheidet. Jesus selbst verstand sich als einer v o n uns, als Mensch unter Menschen – und als einer f ü r uns, als einer, der von Gott einen besonderen Auftrag hat. Damit steht Jesus in der langen Tradition der Propheten Israels.

Aber dann, bei der Taufe, geschieht etwas Außergewöhnliches. Etwas, das Jesus doch heraushebt aus der Menge der Täuflinge. Als Jesus in den Jordan steigt, da geht gleichsam der Himmel auf, weit auf, so weit, dass Gott ganz nah kommt und die Menschen seine Stimme hören können, nicht nur im Herzen, sondern mit den Ohren und mit allen Sinnen. Und was sie zu sagen hat, die Stimme Gottes, ist kein einschüchterndes Donnerwort, kein Gebot und auch kein Verbot, sondern: eine Liebeserklärung. ‚Schaut her: Das hier ist mein geliebter Sohn, an ihm habe ich meine Freude. Schaut ihn an, schaut, wie er lebt, und nehmt Maß an ihm, wenn ihr wissen wollt, wie Leben geht. Denn so, wie er euch begegnet, so begegne auch i c h euch. So, wie er vergibt, so vergebe auch i c h. So, wie er heilt und tröstet, so tröste und heile auch i c h.‘

Die Stimme aus dem Himmel, die Stimme Gottes, sie ist gleichsam die Ansage, die einstimmt auf das, was wir von Jesus, von seinem ganzen Leben und Wirken zu erwarten haben. Und diese Ansage ist eine Zusage. Sie steht über allem, was im Leben Jesu noch kommen wird.

Die Taufe Jesu hat eine andere Bedeutung als die Taufe, die wir seit den Anfängen im Christentum praktizieren. Und doch gibt es eine entscheidende Gemeinsamkeit: Auch die Taufe, die wir empfangen haben, ist eine solche Liebeserklärung Gottes. Auch zu uns hat Gott bei der Taufe gesagt: ‚Du bist mein geliebtes Kind, an dir habe ich meine Freude.‘ Auch bei uns beginnt alles mit diesem bedingungslosen Zuspruch Gottes – lange, bevor wir irgendein Verdienst vorweisen könnten. Das ist der Grund, weshalb wir auch schon kleine Kinder taufen. Damit klar wird: Es geht nicht um unsere Leistung, es geht um Gottes Vorschuss an Liebe.

Gott macht den Anfang, mit allem. Er spricht das erste Wort, und schon mit diesem ersten Wort erklärt er uns seine Liebe. Und was ist die schönste Antwort auf eine Liebeserklärung? ‚Ich liebe dich auch.‘ Das gilt nicht nur zwischen Menschen, sondern auch zwischen Gott und den Menschen. Und ebenso gilt: Wo Liebe ist, da geht der Himmel auf, immer, auch über uns. So wie damals, als Jesus im Jordan getauft wurde. Amen.

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