Die Hoffnung dieser Nacht entdecken – Heilige Nacht

    Wir wünschen unseren Leserinnen und Lesern von Herzen ein hoffnungsfrohes, gesegnetes Weihnachtsfest!
Aus dem Evangelium nach Lukas, Kapitel 2
1 Es geschah aber in jenen Tagen, dass Kaiser Augustus den Befehl erließ, den ganzen Erdkreis in Steuerlisten einzutragen.
2 Diese Aufzeichnung war die erste; damals war Quirinius Statthalter von Syrien.
3 Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen.
4 So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids.
5 Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete.
6 Es geschah, als sie dort waren, da erfüllten sich die Tage, dass sie gebären sollte,
7 und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.
8 In dieser Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde.
9 Da trat ein Engel des Herrn zu ihnen und die Herrlichkeit des Herrn umstrahlte sie und sie fürchteten sich sehr.
10 Der Engel sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll:
11 Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Christus, der Herr.
12 Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.
13 Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach:
14 Ehre sei Gott in der Höhe / und Friede auf Erden / den Menschen seines Wohlgefallens.

Autorin:
Utta Hahn (2)Utta Hahn, Gemeindereferentin, Dekanatsreferentin in Schwäbisch Hall

 
Die Predigt:
Die Hoffnung dieser Nacht entdecken

Liebe Leserin, lieber Leser,
kennen Sie das Gefühl, dass sie mit Logik und Nachdenken über ein Problem oder eine anstehende Entscheidung einfach nicht weiterkommen? So als ob der Verstand sich dreht und dreht – Argumente abwägt, wiederholt und einfach keinen vernunftbegründeten Ausweg oder Entwicklungsschritt findet?

Und dann kommt manchmal eine Idee, eine Möglichkeit – „wie aus heiterem Himmel“ – sie kommt ihnen beim Duschen oder beim Spaziergang oder morgens beim Aufwachen, also in Momenten, in denen ihr Verstand gerade Pause hatte. Und sie kommt manchmal wie eine Erlösung, als würden es uns wie Schuppen von den Augen fallen und wir wundern uns, warum wir trotz allem Nachdenken genau darauf nicht gekommen sind.

Ein bisschen kommt mir das Evangelium der Heiligen Nacht genau wie so eine Lösung für ein Problem vor, das mit Logik und Verstand nicht lösbar war. Welches Problem?

Lukas will eine Frohe Botschaft verkünden – die Frohe Botschaft von Jesus, die nicht eine Glaubenslehre sondern Leben ist. Jesus ist sozusagen der Protagonist, der gelebt hat, der gepredigt hat, der gefeiert und auch gelitten hat, der die Hoffnung auf Leben geschenkt hat – der in der Auferstehung über den Tod hinaus gegangen ist – ja, der die Frohe Botschaft mit Leib, Seele und Verstand war und lebte – und der Menschen neue Lebensräume eröffnet hat. Seine grundlegende Botschaft – Gott will eine Welt mit Menschen, die sich selbst und die anderen lieben können.

Und die Frage war: Wie fing das alles an? Wie konnte Lukas diese Frohe Botschaft – diese Evangelium beginnen?

Lukas wollte und konnte nicht erklären, nachweisen, bezeugen und erforschen, wie alles begonnen hatte; er hatte keine Fakten, keine Zahlen und was hätten Zahlen schon bedeutet für die Frohe Botschaft. Aber eine Geschichte erzählen – eine wahre Geschichte, die sich nicht auf Fakten und Zahlen stützt – diese Geschichte, die hat er gefunden; die hat vielleicht ihn gefunden und die wartet auch heute, von uns gefunden zu werden.

Wir hören sie immer in der Heiligen Nacht. Vielleicht lesen wir sie auch zu Hause unter dem Christbaum, vielleicht haben wir sie im Laufe des Advents im Adventskalender entlang sich aufbauen sehen: Die Volkszählung von Kaiser Augustus, die Reise aller in ihre Heimat mitsamt den Familien, die überfüllten Herbergen, die Armut im Stall, die Hirten, die Engel, der Lobpreis…

Es ist einfach eine sehr wahre Geschichte, immer und überall, in allen Kulturen und Zeiten geschieht sie und muss sie erzählt werden. Jedes Jahr von neuem. Und mit ihr die Einladung, die Botschaft hinter den Worten zu erspüren und zu hören – sie zu entdecken.

Kaiser
Befehle
Menschen unterwegs
Heimatlose Menschen
Hirten und Hirtinnen mit der Herde
Felder in der Nacht

… all das gibt es doch überall und immer.

Doch was daraus die wahre Geschichte der Heiligen Nacht macht – die Menschen haben Hoffnung, ergreifen die Chance, sind bereit, das große Wunder des Lebens, des Schöpfers, der Beziehung Gottes zu den Menschen zu entdecken. Im Stall, in der Geburt, in den Windeln, in der Nähe zu den Tieren, in der Nacht, in der Verantwortung für ihre Herde.

Was Lukas uns erzählt, keiner ist zu gering, als dass er nicht die Hoffnung dieser Nacht entdecken könnte, niemand steht abseits und Gott denkt groß von jedem Menschen. Das ist Grund zur Freude, zur Hoffnung, zur Zuversicht. Und der Chor der Engel – er ist nicht virtuell, sondern erfüllt die Nacht, die Menschen, die Zeit.

Meine Einladung für diese Heilige Nacht:
Suchen Sie sich ein Stichwort – eine Figur, einen Ort aus der Erzählung und gehen damit durch die Weihnachtstage. Versuchen sie, diesen Ort, diese Figur, dieses Stichwort mit sich zu tragen – im Herzen oder auf den Spiegel geschrieben, oder auf einen Zettel an der Wand.

Fragen Sie immer wieder – welche Hoffnung zeigt sich mir in diesem Stichwort, dieser Figur, diesem Ort? Welche Größe legt Gott in mich mit diesem Stichwort, dieser Figur, diesem Ort?

Und ich wünsche Ihnen, dass sie einstimmen können in das Lob der himmlischen Heerscharen, die für alle den Frieden verkünden. Ich glaube, dann hat der Evangelist seine Aufgabe gut gemacht – wenn er Sie weiter als nur mit dem Verstand erreicht. Wenn Sie die Botschaft entdecken, wie einen Ausweg aus einer schier unlösbaren Situation.

Gott will uns begegnen.
Gott will unsere Welt erfüllen.
Gott will mit uns gehen.

Gesegnete Weihnachten!

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2 Antworten auf Die Hoffnung dieser Nacht entdecken – Heilige Nacht

  1. Peter Konetschny sagt:

    vielen Dank für diesen Impuls, den ich so bisher noch nicht gesehen habe.
    Gesegnete Tage und einen guten Start ins NEUE.
    Peter Konetschny

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