Ich sage dir, steh auf! – 13. Sonntag im Jahreskreis B

Übersetzung: Basisbibel
Aus dem Evangelium nach Markus, Kapitel 5
21b Während er noch am See war,
22 kam ein Synagogenvorsteher namens Jaïrus zu ihm. Als er Jesus sah, fiel er ihm zu Füßen
23 und flehte ihn um Hilfe an; er sagte: Meine Tochter liegt im Sterben. Komm und leg ihr die Hände auf, damit sie wieder gesund wird und am Leben bleibt.
24 Da ging Jesus mit ihm. Viele Menschen folgten ihm und drängten sich um ihn.
35 Unterwegs kamen Leute, die zum Haus des Synagogenvorstehers gehörten, und sagten zu Jaïrus: Deine Tochter ist gestorben. Warum bemühst du den Meister noch länger?
36 Jesus, der diese Worte gehört hatte, sagte zu dem Synagogenvorsteher: Sei ohne Furcht; glaube nur!
37 Und er ließ keinen mitkommen außer Petrus, Jakobus und Johannes, den Bruder des Jakobus.
38 Sie gingen zum Haus des Synagogenvorstehers. Als Jesus den Lärm bemerkte und hörte, wie die Leute laut weinten und jammerten,
39 trat er ein und sagte zu ihnen: Warum schreit und weint ihr? Das Kind ist nicht gestorben, es schläft nur.
40 Da lachten sie ihn aus. Er aber schickte alle hinaus und nahm außer seinen Begleitern nur die Eltern mit in den Raum, in dem das Kind lag.
41 Er fasste das Kind an der Hand und sagte zu ihm: Talita kumi!, das heißt übersetzt: Mädchen, ich sage dir, steh auf!
42 Sofort stand das Mädchen auf und ging umher. Es war zwölf Jahre alt. Die Leute gerieten außer sich vor Entsetzen.
43 Doch er schärfte ihnen ein, niemand dürfe etwas davon erfahren; dann sagte er, man solle dem Mädchen etwas zu essen geben.

Autorin:
Susanne-WalterSusanne Walter, Gemeindereferentin in Filderstadt

 
Die Predigt:
Ich sage dir, steh auf!
Liebe Leserin, lieber Leser,

Gedanken zum Bibeltext
Eine bemerkenswerte Geschichte, finden sie nicht?
Im Mittelpunkt steht ein Vater mit seiner Tochter.
Er richtet sein Vertrauen ganz auf Jesus und bittet ihn um Hilfe.
Diese Hilfe wird handgreiflich im wahrsten Sinne des Wortes.
Jesus nimmt das Mädchen bei der Hand.
Er berührt sie. So kann sie aufstehen – auferstehen

Nähe kann heilen oder krank machen
wussten sie schon,
dass die nähe eines menschen
gesund machen
krank machen
tot und lebendig machen kann?
Das sind Worte aus einem Gedicht des niederländischen Pfarrers Willhelm Willms.

Dazu biete ich Ihnen ein paar Fragen an. Wenn eine Frage Sie anspricht, verweilen Sie, wenn Sie keine Idee dazu haben, gehen Sie einfach weiter

Gibt es Beziehungen zu Menschen, die mich krank machen, die mich lähmen, in denen ich nicht ich selbst sein kann?
Welche Beziehungen tun mir gut, mit welchen Menschen fühle ich mich lebendig, kann ich sein, wie ich bin, muss ich mich nicht verstellen?
Welche Menschen fehlen mir gerade besonders?
Wo spüre ich kein Leben, was ist vielleicht am Sterben, oder schläft, wie Jesus es sagt?
Wo wünsche ich mir Berührung und Heilung?
Wer oder was hilft mir zum Leben?
Der Kreislauf der Natur ist ein ständiges Sterben und Wachsen. Was in meinem Leben könnte neu wachsen, wenn etwas anderes zu Ende geht?
Kann ich eine Berührung durch Gott spüren? Wenn ja, wie, durch was?

Berührung kann heil machen
Wir nehmen die Welt um uns herum mit all unseren Sinnen wahr. Die Augen, die Ohren, die Nase, aber eben auch die Haut. Die Haut ist eines unserer Sinnesorgane, das am meisten in seiner Wirkung unterschätzt wird.
Berührung ist ein Grundbedürfnis von uns allen.
Berührung kann heil machen. Viele Segnungen sind z.B. mit Handauflegung verbunden. So wirken nicht nur die Worte, sondern kann auch die Berührung wirken. In manchen Krankenhäusern wird Handauflegen zusätzlich zu medizinischen Behandlungsformen angewandt. Besonders bei Patienten deren Krankheit stark die Psyche beeinträchtigt, sind positive Entwicklungen festzustellen. Auch auf verschiedenen Palliativstationen wendet das medizinische Personal Handauflegen an. Die Körpertemperatur steigt. Das wiederum löst verschiedene biologische Reaktionen aus. Blutdruck und Herzfrequenz sinken, ebenso wie die Konzentration des Stresshormons Cortisol.

Handübung
Ich lade Sie zu einer kurzen Übung ein.
Sie können dies zu zweit oder alleine durchführen.
Öffnen sie ihre Hände und schauen sie diese an.
Betrachten sie die Handinnenflächen mit ihren Linien, den feinen, den starken.
Drehen sie die Hände um und betrachten sie die Außenflächen. Bewegen sie die Finger, einen nach dem anderen.

Was haben sie heute schon alles mit ihren Händen gemacht, was haben sie angefasst?
Legen Sie die Hände ineinander, oder in die Hand ihres Partners, ihrer Partnerin.
Streichen sie sanft über die Innen- und Außenflächen, die Finger.
verstärken sie den Druck, ohne weh zu tun.
Er fasste das Kind an der Hand und sagte zu ihm:
Talita kumi!, das heißt übersetzt: Mädchen, ich sage dir, steh auf!

Sogleich geht das Mädchen herum.
Jesus sagt zu mir – zu Ihnen:
Thalita kum, Thalita kumi – ich sage dir, steh auf!

Wohin gehen sie, was sehen sie mit neuen Augen,
was wollen sie tun?
Was ist Heil geworden in ihrem Leben?

Talitha kumi – Auferstehung schon heute
Auferstehung steht im Zentrum des christlichen Glaubens. Ich vertraue darauf, dass ich im Tod „in Gott hineinsterbe“, damit er all das, was bruchstückhaft war, in meinem leben, vollenden kann und ich zu ewigem Leben auferstehen kann.
Wann das geschehen wird, wissen wir nicht.
Kleine Augenblicke der Auferstehung können uns aber auch heute schon geschenkt werden.
Zu mir stehen, aufstehen, einstehen für das Leben, das sind alltägliche heilende Vorgänge. Je mehr ich sie an mir selbst erfahren darf, umso glaubwürdiger kann ich auch andere an der Hand fassen und ihnen zusprechen: Steh auf! Hab Mut, entfalte deine Gaben, entdecke die Schönheit des Lebens. Spüre deine Lebendigkeit, das Leben
thalita kumi- ich sage dir steh auf!

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Diese Predigt ist als Video zu sehen unter: Katholische Kirche Filderstadt, Impuls zum zweiten Fastensonntag, 28.02.2021

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