Du hast mehr Möglichkeiten als du ahnst! – 13. Sonntag im Jahreskreis A

Erste Lesung aus dem zweiten Buch der Könige, Kapitel 4
Übersetzung: Bibel in gerechter Sprache
8 In jenen Tagen kam Elischa nach Schunem. Dort lebte eine angesehene und reiche Frau. Sie lud Elischa ein, bei ihr zu essen. Seitdem war es so: Immer, wenn er vorbeikam, kehrte er dort ein, um zu essen.
9 Deshalb sprach sie zu ihrem Mann: „Sieh doch, ich weiß genau, dass der, der immer bei uns vorbei kommt, ein heiliger Gottesmann ist.
10 Lass uns doch für ihn ein kleines, gemauertes Zimmer im oberen Stockwerk machen und ihm dort ein Bett, einen Tisch, einen Stuhl und einen Leuchter hineinstellen. Immer, wenn er in Zukunft kommen wird, kann er dort einkehren.“
11 Als Elischa nun eines Tages wieder dorthin kam, kehrte er in diesem Zimmer ein, legte sich dort hin
12 und sprach zu Gehasi, seinem Begleiter:
14 »Was können wir für sie tun?« Gehasi sprach daraufhin: »Nun: Sie hat kein Kind, und ihr Mann ist schon alt.«
15 Daraufhin sagte er: »Ruf sie!« Er rief sie, und sie trat an den Eingang.
16 Elischa sprach: »Nach der üblichen Frist in der Leben spendenden Zeit wirst du ein Kind im Arm halten!«

Autorin:
A.-Trautmann-150x150Andrea Trautmann, Pastoralreferentin in Böblingen

 
Die Predigt:
Du hast mehr Möglichkeiten als du ahnst!

Liebe Leserin, lieber Leser,
mal ehrlich –
würden Sie einen Fremden zum Essen einladen?
Und eine Übernachtung anbieten?
Oder ihm gar ihr Dachgeschoss zum Gästezimmer ausbauen?

Ca. 3000 Jahre vor unserer Zeit führt König Joram, der Sohn von König Ahab und Königin Isebel, die gottlose Regierung seines Vaters fort. Ein Großteil der Leute hatte Gott vergessen, nur noch Einzelne hofften auf Gott.

In Schunem, einem Ort in der fruchtbaren Jesreelebene, der Getreidekammer Israels, an dem die Handelsstraße vom Mittelmeer nach Damaskus vorbeiführt, leben wohlhabende Leute. Hier lebt auch eine hoch angesehene und reiche Frau, spätere Generationen geben ihr den Namen die „Große Frau von Schunem“. Sie ist gastfreundlich und großzügig. Sie ist bereit von ihrem Reichtum abzugeben und unabhängig von der Meinung der Leute. Wie lange sie Elischa, den Propheten Gottes, schon beobachtet hat, wie er an ihrem Haus vorbeigeht, bis sie beschließt, ihn anzusprechen und einzuladen, erzählt uns die Geschichte nicht. Vielleicht ist es die Sehnsucht nach Gott, den heiligen Gottesmann, wie sie ihn nennt, einzuladen. Vielleicht ist es die Bereitschaft zu teilen, der Mut etwas zu wagen, das Interesse an Neuem, das sie handeln lässt. Ganz sicher rechnet sie nicht mit einer Schwangerschaft und einem Sohn.

Damit gehört sie zur Reihe der großen Frauen der Bibel. Frauen, die die Verheißung Gottes weitergeben. Frauen, die auf Gott vertrauten, und denen Gott vertraute. Sie tragen die Verheißung Gottes, des Ich-bin-da, weiter in die Welt und in die nächste Generation. Frauen, die Möglichkeiten sehen und nutzen. Auch Gott ist angewiesen darauf, aufgenommen zu werden. Frauen, die dem Leben und der Lebendigkeit dienen, die Wege eröffnen, sich und anderen etwas zutrauen, Beziehung stiften und Heimat anbieten. Nicht nur dem Propheten Elischa, sondern auch Gott.

Gastfreundschaft ist mehr als ein Dach über dem Kopf oder ein voller Bauch. Gastfreundschaft ist auch ein Zeichen des Angewiesenseins aufeinander und der gegenseitigen Bedürftigkeit. Gastfreundschaft ist ein Wagnis für beide Seiten, und eine Bereicherung für beide Seiten. Gastfreundschaft braucht Vertrauen, in mich, in den anderen.

Diese Geschichte will ermutigen zu vertrauen, sich selbst, den anderen, dem Leben, Gott. In aller Offenheit des Kommenden. Ein Satz, der dem Heiligen Ignatius von Loyola zugeschrieben wird, sagt: „Du hast mehr Möglichkeiten als du ahnst, ganz zu schweigen von den ungeahnten Möglichkeiten Gottes Möglichkeiten mit dir!“

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