Herzenssache – 6. Sonntag der Osterzeit A

Liebe Leserin, lieber Leser,
endlich funktioniert unser Blog wieder wie gewohnt. Nicht ganz, werden Sie vielleicht schon festgestellt haben. Wir haben eine leicht veränderte Adresse: www.kath-frauenpredigten.net/
Doch werden sie auch über die bisherige Adresse zu der neuen Seite geleitet.
Danke allen Autorinnen, Lesern und Leserinnen für die aufgebrachte Geduld. Bleiben Sie uns treu!
Birgit Droesser

Lesung aus dem ersten Petrusbrief, Kapitel 3
Schwestern und Brüder:
15 Heiligt in eurem Herzen Christus, den Herrn! Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt;
16 antwortet aber bescheiden und ehrfürchtig, denn ihr habt ein reines Gewissen, damit jene, die euren rechtschaffenen Lebenswandel in Christus in schlechten Ruf bringen, wegen ihrer Verleumdungen beschämt werden.
17 Denn es ist besser, für gute Taten zu leiden, wenn es Gottes Wille ist, als für böse.
18 Denn auch Christus ist der Sünden wegen ein einziges Mal gestorben, ein Gerechter für Ungerechte, damit er euch zu Gott hinführe, nachdem er dem Fleisch nach zwar getötet, aber dem Geist nach lebendig gemacht wurde.

Aus dem Evangelium nach Johannes, Kapitel 14
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern und Jüngerinnen:
15 Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.
16 Und ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll,
17 den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird.
18 Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, ich komme zu euch.
19 Nur noch kurze Zeit, und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich, weil ich lebe und weil auch ihr leben werdet.
20 An jenem Tag werdet ihr erkennen: Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch.
21 Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.

Autorin:
Karin_2016 (3)
Karin Stump, Pastoralreferentin im Katholischen Forum Dortmund

 

Einführung
Es ist mir eine Freude und ein Herzensanliegen, heute wieder mit Ihnen Gottesdienst zu feiern. – Vieles hat uns in den letzten Wochen von Corona beschäftigt. Manches ist Ihnen dabei vielleicht besonders zu Herzen gegangen. Themen, Situationen, Erinnerungen, Personen. Vielleicht auch die Frage nach der Möglichkeit des Gottesdienstes. – Die Schrifttexte heute fragen uns, ob Christus uns Herzenssache, geliebte Person ist. Begrüßen wir ihn mit all dem, was uns bewegt.

Die Predigt:
Liebe Leserin, lieber Leser,
Herzenssache – damit verbinden manche die Kontaktanzeigen in der Zeitung. Oder ein Hobby, eine Leidenschaft oder einen ehrenamtlichen Dienst aus innerster Überzeugung. Ja, es geht im Glauben auch um Liebe, Herzblut und Passion, bis hin zum Verzicht und zum Leiden.

Wenn ihr mich liebt…, sagt Jesus im Evangelium – und dann kommt er mit dem scheinbar trockenen und äußeren Halten seiner Gebote. Gebote halten und lieben gehört zusammen! Gebote Gottes und Jesu Gebot sind Weisungen zu gelingendem Leben, Ausdruck seiner Sorge. Wie auch viele Gebote und Verbote unter Corona der Sorge um unser Leben dienen sollen. Ganz allgemein in unseren Beziehungen und Familien, im gesellschaftlichen Umgang gibt es ja Gewohnheiten, Rituale und Regeln, um ein gutes Miteinander zu ermöglichen und Liebe zu erhalten. Bei Verkehrsregeln ist das leicht einsichtig. Rote Ampeln etwa dienen dem Schutz des Lebens aller Verkehrsteilnehmenden.

Freiheit, Selbstbestimmung sind zwar hohe Werte, aber auch das Halten von Geboten ist oft nötig, vernünftig und Ausdruck von Liebe. Wenn jetzt gegen Vorschriften zur Kontaktsperre und Auflagen angesichts von Covid 19 demonstriert wird, zum Teil mit verschwörungstheoretischen Motiven, so ist doch zu fragen, wie es um die Solidarität und Rücksichtnahme, ja Liebe zu den Mitmenschen steht. Werden da nicht die eigene Freiheit und das eigene Wollen absolut gesetzt ohne Rücksicht auf Konsequenzen?

Im Evangelium hören wir, dass ein Handeln gemäß der Gebote und Liebe sich gegenseitig hervorbringen. Einerseits spricht Jesus von der Liebe zu ihm als Motiv, die Gebote zu halten. So gelangen wir manchmal von der Liebe und Verantwortung zum Halten von Regeln. Etwa in der Partnerschaft: Weil ich den anderen schätze, nehme ich Rücksicht und beachte getroffene Verabredungen, um nicht zu provozieren oder zu verletzen.
Andererseits sagt Jesus auch: Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt. (V.21) Es geht also manchmal auch umgekehrt. Ich halte mich an Regeln und Vorschriften und erfülle damit den Rahmen, in dem menschliches Miteinander und auch Liebe, Liebe zum Leben und zu Gott wachsen können. So ist es etwa bei vielen Verhaltensweisen des höflichen Umgangs. Auch beim Einüben einer Gebets- oder Meditationspraxis. Da reicht allerdings nicht eine bloß äußere Befolgung der Regeln, sondern es gehört eine entsprechende innere Haltung dazu. So zeigt sich wieder das Ineinander von Geboten und Liebe.

Christus und seine Lebensart möchten uns Herzenssache sein. Christsein bedeutet nicht äußeres Befolgen von Vorschriften und Gewohnheiten, nicht allein Riten feiern und Kirchengebote einhalten. Wenn das Herz nicht von der Liebe Christi und der Liebe zu Christus ergriffen wäre, bliebe alles Fassade oder intellektuelles Gedankengebäude. Haltet in eurem Herzen, Christus, den Herrn, heilig! so der erste Satz der Lesung (1 Petr 3, 15). Es geht um den Funken der Liebe, der lebendig macht und auch in schweren Zeiten durchtragen will.

Vielleicht kennen Sie die Karikatur: Da stehen Menschen bei einer Party beieinander. Ein Mann fragt das Paar, das ihm gegenüber steht: „Ach, Christen seid ihr. Christ, was macht man da so?“ Diese Karikatur zeigt, wie fremd manchen geworden ist, was Christsein bedeutet. Wie würde Ihre Antwort lauten? –

Ich würde nicht nur Gebote und Rituale aufzählen, wie etwa Taufe, Kirchgang, Feste im Kirchenjahr, Sakramentenempfang. Auch die Gebote der Gottes- und Nächstenliebe würde ich nicht als erstes nennen. Meine Antwort begänne etwa so: „Christin bin ich, weil Jesus Christus mein wichtigster Bezugspunkt ist. Er ist die Person, an der ich mich orientiere, auf die ich mich immer neu beziehe und die mir Kraft gibt.“ Und daraus folgt mein Handeln. Dieser Glaube, diese Liebe prägen das Verhalten und den Lebensstil von Christinnen und Christen.

Aber Hand auf‘s Herz! Hat Jesus Christus, hat Gott diesen Platz in deinem Herzen? Ist er die Nummer eins, auf die für dich alles ankommt? Vielleicht ist dir im Laufe der Jahre das Feuer abhandengekommen. Vielleicht ist vieles fraglich geworden, auch durch die Anfragen einer nicht mehr christlichen Umwelt, durch den Wohlstand oder durch die Unglaubwürdigkeit und die Krisen der Kirche selbst. Oder durch das Leid, das du siehst oder selbst erfährst.

Lassen wir uns heute durch das Evangelium neu einladen und bestärken. Gottes und Jesu Liebe zu dir und mir, zu jedem Menschen – und unsere antwortende Liebe sind das Zentrum christlichen Glaubens. Diese Liebe ist gewiss, auch und gerade in dieser Zeit, die uns so verunsichert, besorgt und Veränderung von uns erwartet. Haltet in eurem Herzen Christus, den Herrn, heilig! Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt. (1 Petr 3,15)

Räumen wir dem Gott Jesu Christi und der liebenden Geistkraft Platz in unserem Herzen und Handeln ein. So können wir und andere spüren und erleben, was Jesus sagt: Ihr seid in mir und ich bin in euch. Amen.

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