Sein ist die Zeit – 5. Sonntag der Osterzeit C

Erste Lesung aus der Apostelgeschichte, Kapitel 14
Übersetzung: Bibel in gerechter Sprache
21b In jenen Tagen kehrten Paulus und Barnabas nach Lystra, Ikonion und Antiochia zurück,
22 stärkten dabei die Schülerinnen und Schüler, ermunterten und ermahnten sie, beim Glauben zu bleiben und „dass wir durch viele Bedrängnisse hindurch in Gottes Reich hineingehen müssen“.
23 Sie wählten für sie in jeder Gemeinde Älteste, beteten unter Fasten und vertrauten sie dem Herrn an, an den sie nun glaubten.
24 Sie zogen durch Pisidien und kamen dann nach Pamphylien;
25 sie verkündeten die Botschaft in Perge und stiegen dann nach Attalia hinab
26 und segelten von dort nach Antiochia, wo sie für die Aufgabe, die sie nun abgeschlossen hatten, der Freundlichkeit Gottes anvertraut worden waren.
27 Dort angekommen, versammelten sie die Gemeinde und berichteten, was alles Gott an ihnen getan hatte, und dass den Völkern die Tür zum Glauben von Gott geöffnet worden sei.

Autorin:
A.-Trautmann-150x150Andrea Trautmann, Pastoralreferentin, Geistliche Diözesanleiterin BDKJ/BJA in der Diözese Rottenburg – Stuttgart

 
Die Predigt:
Sein ist die Zeit

Liebe Leserin, lieber Leser,
„Nein ich habe keine Zeit!“ Keine Zeit für eine kurze Auskunft. Keine Zeit für ein Gespräch. Keine Zeit für Gott? Zeit ist etwas, mit dem wir rechnen können. Sie ist begrenzt. Wir haben nicht unendlich davon und manche haben immer zu wenig. Der Tag hat 24 Stunden. Zeit zum Schlafen und Essen, Zeit zum Aufräumen und zum Arbeiten, für Hobbies und Ehrenämter, für Freundschaften… .

Wer kann heute noch ohne Terminkalender leben? Manche glauben, wenn sie besser planen, hätten sie mehr davon. Mehr Zeit. Was nicht geplant ist, findet nicht statt. Also planen wir Treffen mit Freundinnen und Freunden, wir schreiben To-do-Listen und organisieren unsere Zeit möglichst effektiv. Keine Zeit mehr für Spontanes, keine Zeit mehr inne zu halten. Wir sind ständig unterwegs, ständig beschäftigt. Ein Zeichen unserer Zeit?

Die heutige Lesung aus der Apostelgeschichte erzählt von Paulus und Barnabas. Sie waren unterwegs durch viele Städte und Ortschaften Kleinasiens, der heutigen Türkei und Syriens. Immer unterwegs, heute hier und morgen dort. Oder besser: Mal in einer Gemeinde, mal wieder lange auf dem Weg. Ausgesandt von der Gemeinde in Antiochia, um das Wort Gottes zu verkündigen, um den Menschen die Frohe Botschaft zu bringen. Hatten sie damals mehr Zeit als wir heute? Oder vielleicht weniger, weil sie viel länger brauchten für ihre Reisen? Könnten wir heute nicht in der gleichen Zeit noch mehr Gemeinden besuchen, noch mehr Menschen das Wort Gottes verkündigen?

Sein ist die Zeit und die Ewigkeit, sein ist die Macht und die Herrlichkeit. Mit diesen Worten haben wir an Ostern die neue Jahreszahl auf der Osterkerze bezeichnet. Sein ist die Zeit und die Ewigkeit. Alles Geschaffene unterliegt der Zeit. Jeder und jede von uns erlebt die Zeit anders. Es gibt eine innere Erfahrung von Zeit, die wir äußerlich in Minuten messen können, und die doch unterschiedlich lang oder kurz erfahren wird. Sein ist die Zeit und die Ewigkeit. Wir erleben die Ewigkeit als Augenblick, der keine zeitliche Ausdehnung hat, als Tür zum Himmel. Mit Jesu Kommen aus der Ewigkeit in die Zeit, ist eine neue Zeit angebrochen. Die Tür zum Himmel ist wieder offen. So dass wir in der Zeit ein Stück Ewigkeit erahnen können. Ist das heute schwieriger als damals?

Paulus und Barnabas reisen viel und tun viel. Sie ermahnen die anderen, zu beten und zu fasten und auch in schwierigen Zeiten, treu am Glauben festzuhalten. Auch sie hatten damals viel zu tun. Die Apostelgeschichte erzählt, dass sie trotz vieler Aufgaben Zeit finden für Gott. Das war sicher nicht jeden Tag gleich einfach. Am Ende ihrer Reise können sie der Gemeinde in Antiochien berichten, dass Gott Menschen neu bewegt hat, dass Gott Türen zum Glauben aufgemacht hat.

Auch wir können für uns heute immer mal wieder die Zeit anhalten, um Zeit zu gewinnen. Sozusagen die Tür zur Ewigkeit suchen. Ein Kreuzzeichen in die Hand vor dem Essen oder ein großes Körperkreuz nach dem Aufstehen. Den Tag einfach kurz unterbrechen, eine Minute anhalten, aus dem Alltag aussteigen, und die Augen schließen und Gottes Anwesenheit wahrzunehmen versuchen. Vielleicht wenn man auf den Bus wartet oder wenn man im Stau steht. Wenn ich den Menschen auf der Straße, meinen Nächsten, als Gottes Ebenbilder wahrnehme. Jemandem meine Zeit schenken und mich davon selbst beschenken lassen, durch ein nettes Gespräch oder eine kleine Auskunft. Eine Tür zu Gott, ein Wahrnehmen der Ewigkeit in der Zeit. Äußerlich kurz und innerlich lang. Denn, sein ist die Zeit und die Ewigkeit.

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Eine Antwort auf Sein ist die Zeit – 5. Sonntag der Osterzeit C

  1. Walter sagt:

    …vom erinnern und vergessen…
    SEIN Name heilt, schenkt ER doch Heilung im Erinnern u n d im Vergessen:
    „die Zeit heilt Wunden !“- so heisst es doch.
    Vielleicht berühren das Erinnern und das Vergessen die Seele über die Dankbarkeit:
    „(v) erklärt“ sich nicht viel in der Zeit ?
    Carpe diem- time is money,etc.:
    macht ER nicht auch aus dem Geschenk der Zeit einen Fluch ?
    das immer dichtere Tuch der D e m e n z über denen die “ keine Zeit haben „…

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