28 In jener Zeit ging Jesus nach Jerusalem hinauf.
29 Als er in die Nähe von Betfage und Betanien kam, an den Berg, der Ölberg heißt, schickte er zwei seiner Jünger und Jüngerinnen voraus
30 und sagte: Geht in das Dorf, das vor uns liegt. Wenn ihr hineinkommt, werdet ihr dort einen jungen Esel angebunden finden, auf dem noch nie ein Mensch gesessen hat. Bindet ihn los und bringt ihn her!
31 Und wenn euch jemand fragt: Warum bindet ihr ihn los?, dann antwortet: Der Herr braucht ihn.
32 Die beiden machten sich auf den Weg und fanden alles so, wie er es ihnen gesagt hatte.
33 Als sie den jungen Esel losbanden, sagten die Leute, denen er gehörte: Warum bindet ihr den Esel los?
34 Sie antworteten: Der Herr braucht ihn.
35 Dann führten sie ihn zu Jesus, legten ihre Kleider auf das Tier und halfen Jesus hinauf.
36 Während er dahinritt, breiteten die Jünger und Jüngerinnen ihre Kleider auf der Straße aus.
37 Als er an die Stelle kam, wo der Weg vom Ölberg hinabführt, begannen alle Jünger und Jüngerinnen freudig und mit lauter Stimme Gott zu loben wegen all der Wundertaten, die sie erlebt hatten.
38 Sie riefen: Gesegnet sei der König, der kommt im Namen des Herrn. Im Himmel Friede und Herrlichkeit in der Höhe!
39 Da riefen ihm einige Pharisäer aus der Menge zu: Meister, bring deine Jünger zum Schweigen!
40 Er erwiderte: Ich sage euch: Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien.
Autorin:
Christina Bettin, Gemeindereferentin in der Gemeinschaft der Gemeinden Mönchengladbach-Süd im Bistum Aachen
Die Predigt:
Türen in meinem Leben
Liebe Leserin, lieber Leser,
ein Stadttor, ein Portal, eine Eingangstür markieren eine besondere Stelle eines Bauwerkes oder eines Gebäudes. Hier kann man ein- und ausgehen, wenn geöffnet ist. Wie oft verbinde ich den Beginn von etwas Neuem auch in meinem Leben mit eben einer besonderen Tür oder Pforte? Das Schultor am ersten Schultag; die Haustür zur frisch angemieteten ersten eigenen Wohnung; die Krankenhauspforte vor einer wichtigen Untersuchung; das Kirchenportal bei besonderen Anlässen und Sakramenten; selbst das schmiedeeiserne Tor zum Friedhof bei Beerdigungen fallen mir ein. Ich denke, Sie alle kennen solche besonderen Orte und Gebäude mit ihren Toren und Türen. Und oftmals ist eben das erste Betreten mit einem besonderen ersten Schritt verbunden, der nachhaltig im Gedächtnis bleibt. Begleitet von Gefühlen der Anspannung, Aufregung, einem Lampenfieber gleich; freudige Erwartung oder auch Schwellenängste und Befürchtungen. Was wird mich erwarten an dem neuen Ort? Wie ergeht es mir in der nun beginnenden neuen Phase meines Lebens? Die letzten paar Schritte darauf zu, ein kurzes Innehalten, die Gesamtheit, Größe und Beschaffenheit der Tür in den Blick nehmend; dann die Hand am Türknauf oder der Klinke…mein Überschreiten der Schwelle, mein Eintreten… ist es zögerlich, mit weichen Knien und mit Bedenken? Oder mutig, forsch, selbstsicher? Manches beim Eintreten ist vielleicht wechselhaft, anderes gehört auch zu meinem typischen Verhalten, zu mir als Person.
Tore und Türen sind somit verknüpft mit einer Grunderfahrung. Tore und Türen bilden ein Symbol, einladend, gastfreundlich, offen, schützend, bergend, oder auch verriegelt und verrammelt, abweisend, geschlossen. Ich bin überzeugt davon, dass das Menschen zu allen Zeiten schon mit ähnlichen Gefühlen wahrgenommen haben. Sicher auch Jesus bei seinem „Palmsonntag“, beim Einzug in Jerusalem. Die Vorbereitungen und Planungen (mit dem Esel usw.) sind gut überlegt und werden akribisch, fast minutiös geschildert; ähnlich wie ein nüchterner Tatsachenbericht. Wir können uns die Abläufe dadurch gut vorstellen und uns in die Szene hineinversetzen. Auf dem Hintergrund der Überlegungen oben, können wir sogar ein wenig nachempfinden, was das für Jesus selbst wohl bedeutet haben mag, wie es ihm wohl emotional erging: Angespanntheit, Unsicherheit, Befürchtungen, Ängste. Mit diesem Einzug in die Stadt, ins Zentrum der weltlichen und religiösen Macht, beginnt etwas Gewaltiges, Neues für ihn. Die letzte Wegetappe seines Lebens ist eingeläutet. Nach dem Durchreiten des Stadttores gibt es kein Zurück mehr. Nun sind Mut, Konsequenz, Charakterstärke und Durchhaltevermögen gefragt. Unweigerlich nehmen die Dinge ihren schließlich tödlichen Lauf.
In der Liturgie und den Lesungstexten dieses Sonntags wird schon die komplette Passion gelesen. Das geht mir persönlich immer viel zu schnell. Gerade erst über die Schwelle des Stadttores geritten und schon ausgeliefert an Pilatus. – Ich bin da mehr für Entschleunigung und Innehalten. Erst einmal nachspüren dieser ersten Sequenz des Einzuges in die Stadt: Einzug in Jerusalem mit Vorbereitungen und Gefühlen „davor“; in Verbindung mit dem frenetischen Jubel einer Fangemeinde. Ausbreiten der Kleider am Boden, einem „roten Teppich“ gleich; abgerissene Zweige von den Bäumen, als würden sie Fahnen schwenken; und die Hochrufe „Hosianna, gesegnet sei der König, der da kommt im Namen des Herrn“. Jesus wird ein festlicher, herzlicher Empfang bereitet, und er reitet getragen auf dieser Welle von Begeisterung und Sympathie. – Da relativieren sich die eben noch empfundenen Schwellenängste. Die schlimmen Vorahnungen und Befürchtungen dürfen noch einmal in den Hintergrund treten. Das Bad in der Menge als Vergewisserung, das der Weg nicht nur ein einsamer ist, sondern durchaus auch etwas von Gemeinschaft hat. Wie nämlich das Überschreiten der Schwelle von statten geht, ist etwas Entscheidendes dafür, wie es anschließend mental weiter geht. Nimmt es mir mein letztes bisschen Mut oder schöpfe ich Kraft? Dieses Kraftschöpfen macht mich dann auch so stark in meiner Überzeugung, dass ich alles, was nun am unbekannten, neuen Ort folgt, gut meistern kann.
Von daher ist in meinen Augen die Schilderung vom Einzug Jesu in Jerusalem eine wichtige, die es wert ist, einzeln betrachtet zu werden. Sie macht deutlich, von wie vielen Menschen Jesu Botschaft mit Freude und Hoffnung wahrgenommen wurde. Sein Wirken und Predigen blieb nicht im Verborgenen. Das Volk war angesteckt und begeistert von seinen Gedanken, auch wenn es sie vielleicht nur ansatzweise verstanden hat. Und Jesus selbst zieht Kraft aus dieser Welle der Sympathie.
Die Geschichte von Einzug Jesu in Jerusalem bedeutet für mich so viel wie: Keine Chance den lähmenden, übermächtigen Schwellenängsten, Mut zum nächsten Schritt!
Hier scheint es mir auch eine nette Parallele zur traditionellen Sitte zu geben, dass der Bräutigam die Braut am Tag der Hochzeit über die Schwelle des Hauses trägt; Kraft und Mut für die nächsten gemeinsamen Schritte.
Vielleicht achten wir nun noch bewusster auf unser Durchschreiten bei den nächsten wichtigen Lebenstüren. Wie schön, wenn wir es getragen und in Gemeinschaft erleben können. Und dabei auch noch mit Zuversicht wissen, dass Jesus von sich im Johannesevangelium, im 7. Kapitel, sagt: „Ich bin die Tür“. Durch ihn kommen wir hinein, näher zu Gott. Er ist eine einladende, geöffnete Tür. Er lässt niemanden am Rande oder außen vor. Er lädt uns ein ins Zentrum der Liebe Gottes. Nehmen wir die Einladung an.
Wie ist es mit der Tür,die hinter mir zufällt : Lebens- abschnitt … !?
Wie nah liegen an einer Tür – für uns Geschöpfe – doch Leben und Tod beeinander.
Danke für Ihre Meditation.