Jesus gibt sich in unsere Hände – Gründonnerstag

Aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther, Kapitel 11
Schwestern und Brüder!
23 Ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch dann überliefert habe: Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot,
24 sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis!
25 Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sprach: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis!
26 Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.

Autorin:
5054fa60Marita Rings – Kleer, Gemeindereferentin in der Gemeinde St. Josef, Saarbrücken – Malstatt, Bistum Trier

 
Die Predigt:
Jesus gibt sich in unsere Hände

Liebe Leserin. lieber Leser,
mit einem Rätsel möchte ich heute anfangen:
Es handelt sich um ein Körperteil, eigentlich um zwei gleiche Körperteile.
Diese Körperteile haben einen Rücken und einen Teller, eine Wurzel und sie verzweigen sich in je fünf Äste.
Bei den gesuchten Körperteilen handelt es sich um unsere Hände.
Und ich lade Sie heute ein, einmal ihre Hände in Ruhe und vor allem ausgiebig zu betrachten.
Welche Hände sehen Sie?
– junge, glatte Hände,
– saubere Hände, verschmutzte Hände;
– alte, faltige Hände, vielleicht sogar mit Narben;
– gesunde Hände mit geraden Fingern,
– kranke Hände, von Rheuma, Gicht, Arthritis gezeichnet;
– rauhe, rissige Hände oder glatte, gepflegte Hände,
– kräftige, starke Hände oder zarte, weiche Hände;
– Hände mit langen, schmalen Fingern,
– Hände, mit dicken, kräftigen Fingern;
– Hände, die Kinder streicheln haben oder Kranke pflegen,
– Hände, die Holz gehackt und Gemüse geerntet haben;
– Hände, die den Liebsten, die Liebste, zart berührt haben
– oder Hände, die eine Waffe hielten;
– Hände die offen sind oder zur Faust geballt;
– Hände, die auf andere Menschen gezeigt haben oder zur Versöhnung gereicht wurden;
– Hände, die willkommen hießen oder Hände, die Türen verriegelt haben;
– Hände, die zum Gebet zusammengelegt wurden
– oder Hände, die verzweifelt gerungen wurden;
– Hände, die den Kopf eines Kindes bei der Geburt und in den ersten Monaten hielten
– oder Hände, die einem Toten zum letzen Mal wuschen;
– Hände die kalt sind und niemanden haben, der sie hält
– oder Hände, die warm sind und tröstlich;
– Hände, die Tränen wegwischen oder Hände, die ausrutschen und zuschlagen;
– Hände, die gierig raffen oder Hände, die voller Mitleid geben;
– Hände, die zum Willkommen oder zum Abschied gereicht werden;
– Hände, die arbeiten und Hände, die in den Schoß gelegt werden,
so wie Jesus Hände hatte,
Hände, die heilten, segneten, trösteten und verziehen.

Hände,
sie sind Teil und Spiegel unseres Lebens.
Sie könnten viel erzählen,
von all dem, was sie getan oder auch nicht getan haben,
was sie hielten und fallen ließen,
was sie trugen und ablegten.
Und jetzt sind sie für ein paar Augenblicke zur Ruhe gekommen,
vielleicht schon zur Schale zusammengelegt,
zu der Schale, in die bald das Brot gelegt wird,
oder bereit den Kelch zu halten.

Und dann nahm Jesus das Brot in seine Hände und er nahm den Kelch in seine Hände.
Er sprach die Dankgebete und reichte das Brot und den Kelch an seine Jünger weiter.
Er legte das Brot in ihre Hand.
Er legte sich selbst in ihre Hände.
Er gab sein Leben in ihre Hand.
Und das hat seitdem nie wieder aufgehört.
Jeden Tag wird sein Leben in unsere Hände gelegt,
heute Abend ganz besonders.
Wir sind nicht würdig, so beten wir,
dass er sein Leben in unsere Hand legt,
in die Hände, die so viel schon erlebt haben,
die so viel schon getan haben.
Doch Jesus wagt es, er tut es.
Er legt sein Leben in meine Hand, in unsere Hände.
Es ist nicht nur Erinnerung an damals,
es ist sein Leben, sein Auftrag für uns heute.
Es ist nicht nur das Stück Brot, kein Symbol,
es ist real – wir haben ihn in der Hand.
So wie Pilatus ihn damals in der Hand hatte
und sich entscheiden musste,
so müssen auch wie uns heute entscheiden:
nehmen wir ihn, der da in unserer Hand ist,
an und lassen ihn in unser Leben;
lassen ihn nicht nur Teil unseres Köpers werden,
sondern auch Teil unseres Daseins, unserer Existenz
oder
liefern wir ihn aus, so wie damals Pilatus,
indem unsere Augen, unsere Hände und unser Herz
aus dem, den wir da in der Hand haben,
nur ein Stück Brot machen.

Einfach ist es nicht,
mit dem Stück Brot in der Hand
den Satz: Das ist mein Leib für euch zu verstehen
aber wenn wir uns auf dieses Geheimnis einlassen,
uns auf die Suche machen nach der Antwort,
auf die Suche nach Jesus Christus selbst,
als Teil unseres Lebens,
dann werden wir bei der Hand genommen
und nicht wieder losgelassen.
In der Eucharistie gibt Jesus sich in unsere Hände,
und im Leben sind wir in seiner Hand.
Der Körper eines Menschen ist nur dann komplett, wenn er zwei Hände hat,
das Leben eines Menschen ist auch nur dann komplett,
wenn er zwei Hände hat:
eine Hand, die in trägt und hält
und eine Hand, in der er Jesus Christus hält. Amen

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2 Antworten auf Jesus gibt sich in unsere Hände – Gründonnerstag

  1. Kumar sagt:

    Meine Güte, fand ich einfach klasse! In der heutigen Welt brauchen wir nicht so viel Theologie und Philosophie. Wir brauchen das, was Menschen berührt und so fand ich die Ansprache war wirklich gut.

    Alles Gute
    Pater Kumar

  2. W sagt:

    Ja , als Kommunionhelferin stellt sich mir beim Austeilen des Brotes oft der Gedanke: So liefert Er sich aus. Ich kenne die Menschen oft nicht, in deren Hände ich Ihn lege. Wenn ich sie kenne, und ich sage “ Der Leib Christi“ huscht ein Lächeln über unser beider Gesicht, als ob wir uns gegenseitig versichern wollen:“ Ich weiß, wen du mir anvertraust.“Da ereignet sich wahrhaft Communio, Gemeinschaft. Danke für die Predigt

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