Würdetitel und Wirklichkeit – Hochfest des Gottesmutter Maria / Neujahr 2013

Aus dem Evangelium nch Lukas, Kapitel 2
16 In jener Zeit eilten die Hirten nach Betlehem und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag.
17 Als sie es sahen, erzählten sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war.
18 Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten.
19 Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach.
20 Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für das, was sie gehört und gesehen hatten; denn alles war so gewesen, wie es ihnen gesagt worden war.
21 Als acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen Jesus, den der Engel genannt hatte, noch ehe das Kind im Schoß seiner Mutter empfangen wurde.

Autorin:
scale-210-210-12_25508028_2Maria Sinz, Gemeindereferentin, Aalen,
stellvertretende geistliche Leiterin der KAB (Katholische Arbeitnehmerbewegung)

 
Die Predigt:
Würdetitel und Wirklichkeit

Liebe Leserin, lieber Leser,
in den siebziger Jahren als Kind den Namen Maria zu tragen war nicht lustig. Maria war unter schicken Namen wie Andrea, Ute oder Sandra in erster Linie altmodisch und dann vor allem fromm. Maria, so hieß abgesehen von einigen alten Frauen, nur die Mutter Gottes.
Streng genommen müssen wir Gottesmutter sagen, denn theologisch kann Gott natürlich keine Mutter haben, da er der Uranfang von allem ist. Die „Mutter Gottes“, ist nicht weg zu denken, aus keiner katholischen Kirche und nicht aus der katholischen Frömmigkeit. Gottesgebärerin, dieser Titel wurde Maria auf dem Konzil von Ephesus 431 verliehen. Dabei ging es in erster Linie um die Aussage, dass ihr Sohn, Jesus, als Gott und Mensch zugleich geboren worden sei. Folgerichtig wurde Maria Gottesgebärerin.
In der katholischen Kirche wurde sie zur Gottesmutter, oder Mutter Gottes, Inbegriff
für Fürsprache, Schutz und Trost. Auch wenn der Titel theologisch eher beiläufig, weil logisch notwendig, verliehen wurde: in der Volksfrömmigkeit ist sie eine starke Frauenfigur, die Gott nahe ist und dabei Mensch bleibt. Obschon Gottesgebärerin, bleibt Maria geerdet, diesseitig. Eine Frau, die ihren Sohn gebiert. Kein Mensch kommt unbemuttert zur Erde, auch nicht wenn er zugleich Gott ist.

Maria wird angerufen, weil sie das wirkliche Leben kennt und gleichzeitig Gott nahe ist. Als Schutzmantelmadonna wird die Mutter Gottes zur Adoptivmutter für alle, die sich an sie wenden. Nach dem II. Vatikanum wird sie Mutter der Kirche genannt. Und im Hochgebet bitten wir um das Erbarmen des Vaters, damit wir in der Gemeinschaft mit der Gottesmutter Maria und allen Heiligen leben werden. Eine starke Frauenfigur neben einem – ob wir es zugeben oder nicht – männlich gedachten Gott. Hierarchisch korrekt formuliert, knapp unter Gott.

Neben diesem starken Frauenbild wirken alle Versuche Gott Vater und Mutter zu nennen fade. Die Kraft liegt in der klaren menschlichen Gestalt Marias.

Maria steht am Eingang und am Ausgang des menschlichen Lebens ihres Sohnes, auch wenn dieser zugleich Gott ist.
Die Volksfrömmigkeit legt im Mittelalter in der Figur der Pietà den Leichnam Jesu in den Schoß der Mutter. Auch dies ein starkes Bild, in dem sich Frauen und Männer wieder finden. Im Bild der Pietà ist der Schmerz aller Mütter um ihre toten Söhne festgehalten. Hier wird kein Held gefeiert, hier steht das Leid im Vordergrund. Und die Pietà von Stalingrad, gezeichnet von einem Soldaten, lässt vermuten, dass sich in dieser Figur umgekehrt auch die Verlorenheit junger Männer, den sinnlosen Tod vor Augen, ausdrückt. Die Sehnsucht nach Mitgefühl. Die Mutter mit der vergewaltigten Tochter im Schoß wäre wohl noch daneben zu stellen.

Wir stellen Maria an den Ausgang des menschlichen Lebens, so wie sie als symbolische Mutter am Eingang des Lebens steht. In einem weihnachtlichen Muttersegen schreibt Christiane Bundschuh – Schramm:
Gesegnet bist du, Mutter,
mit dem Kind, das in deinen Armen schläft.
Gebenedeit bist du, Mutter,
mit Gott,
der sich in deine Arme legt.
Gesegnet bist du, Mutter,
Gebärerin einer neuen Welt.

Gottesgebärerin zählt wie Himmelskönigin, Meerstern und Königin der Apostel zu meinen persönlichen Favoriten was Marientitel anbelangt. Alle Mütter der Welt mögen verzeihen, aber bei Gottesgebärerin habe ich nicht Schmerzen und Blut vor Augen, eher Urknall und Sterne. Es ist ein poetischer Titel. Gottesgebärerin sprengt Grenzen. Ich lege meine Sehnsucht nach Anerkennung weiblicher Größe in diesen Würdetitel. Wenn eine Frau Gottesgebärerin ist, warum dann nicht Bischöfin?

Mühe und Kraft wird investiert um weibliche Autorität in der katholischen Kirche klein zu halten. Frauen werden fern gehalten von symbolischen Schlüsselpositionen. Das hat tausendfache Auswirkung auf den Umgang mit weiblicher Autorität, auch untereinander. Und es beschneidet die Identität von Frauen. Dennoch zeigt die Figur der Gottesgebärerin, es führt kein Weg an den Frauen vorbei.

Ich plädiere dafür, einfach beieinander zu lassen was zusammen gehört. Die Frau gedanklich nicht von der Mutter abzuspalten; sie nicht ihrer sexuellen Kraft zu berauben, Eva und Maria in einem zu sehen, Frau und Gottesgebärerin. Dann kann Maria auch zu einem heilsamen Bild werden für die täglichen Verletzungen weiblicher Autonomie.
Ein Bild vor dem wir ausruhen, „Station“ machen auf langem Weg.

Neulich sah ich ein Photo, aufgenommen während einer Sitzungsperiode des II. Vatikanischen Konzils. Es zeigt auf einem großen belebten Platz zwei Frauen in schwarz und weiß gekleidet vor viel Lila und Purpur. Zunächst vermutete ich es sei eine Collage. Dann stellte sich heraus, das Photo zeigt die zwei deutschen Laienauditorinnen Gertrud Ehrle und Sr. M. Juliana Thomas. Insgesamt waren 23 Laienauditorinnen beim II. Vatikanischen Konzil eingeladen.
Das Photo ziert eine Broschüre mit dem Titel „Die Tür ist geöffnet“, das Zweite Vatikanische Konzil, Leseanleitungen aus Frauenperspektive. Es braucht schon sehr viel Langmut um diese optimistische Bewertung des Katholischen Deutschen Frauenbundes zu teilen.
In der Zwischenzeit tun wir gut daran uns bewusst aufeinander zu beziehen, gerade in Verschiedenheit. Amen.

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