Ihr seid das Licht der Welt – 5. Sonntag im Jahreskreis A

Aus dem Evangelium nach Matthäus, Kapitel 5
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern – und Jüngerinnen:
13 Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr außer weggeworfen und von den Leuten zertreten zu werden.
14 Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben.
15 Man zündet auch nicht eine Leuchte an und stellt sie unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter; dann leuchtet es allen im Haus.
16 So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen.

Lampe
Autorin:
Sigrid Haas, Diplomtheologin in Mannheim

 
Die Predigt:
Ihr seid das Licht der Welt

Liebe Leserin, lieber Leser,
Unser Licht nicht unter den Scheffel stellen
Jesus fordert uns auf, unser Licht vor den Menschen leuchten zu lassen, damit sie unsere guten Taten sehen. Doch leider wurden viele, vor allem ältere Menschen, noch dazu erzogen, ihr Licht eher unter den Scheffel zu stellen.

Gerade in Krisenzeiten braucht es ganz viele hell leuchtende Lichter. Denn immer mehr Menschen verlieren die Hoffnung. Gleichzeitig fällt schon das allerkleinste Licht um so mehr auf, je dunkler es ist. Deshalb ist so wichtig, dass wir uns zeigen.

Sicher haben Sie bereits die Erfahrung gemacht, was so ein kleines „Lichtzeichen“ bewirken kann, wenn Sie krank, traurig, einsam, hoffnungslos oder verzweifelt waren. Etwa eine unerwartete handgeschriebene Weihnachtskarte, ein Mensch, der Sie umarmt, aber auch die Sonne, die plötzlich die schwarze Wolkenwand durchbricht, der Löwenzahn, der in einer winzigen Ritze wächst oder ein Lieblingslied im Radio, das schöne Erinnerungen weckt und zum tanzen einlädt.

Vergessen wir also den unsinnigen Glaubenssatz von falscher Bescheidenheit. Und treten wir stattdessen selbst-bewusst auf. Zeigen wir uns ganz natürlich mit unseren Stärken und Talenten, so wie Jesus uns dies vorgelebt hat. Um Licht sein zu können, ist es daher sehr hilfreich, sich selbst gut zu kennen. Dann können wir genau da leuchten, wo wir gebraucht werden mit unseren einzigartigen Gaben.

Das Licht in uns ent-wickeln
Jesus hat den Kontakt gesucht sowohl mit einfachen Fischern und Ausgegrenzten wie Armen, Zöllnern, Aussätzigen und Dirnen als auch mit Schriftgelehrten. So erfuhr er, was diese Menschen bewegte und brachte sie mit seinen Worten, Gleichnissen und Taten zum nach-denken, manchmal auch zum um-denken.

Einige erkannten, was sie wirklich brauchten, um wieder in die Einheit mit sich selbst, den Nächsten und mit Gott zu kommen. Und Jesu’ bedingungslose Liebe half ihnen, seinem mutigen Vorbild zu folgen. So konnten auch sie zu Lichtern in der Welt werden.

Um ein Licht sein zu können, brauchen wir also auch die Bereitschaft, unangenehmen Wahrheiten ins Gesicht zu sehen und unser Denken und/oder Verhalten möglicherweise zu ändern. Denn nicht selten sehen wir zwar den „Splitter“ im Auge der anderen, jedoch nicht den „Balken“ in unserem eigenen Auge, so dass unser Licht nicht mehr strahlen kann… Der offene und ehrliche Austausch mit anderen kann uns helfen zu erkennen, was unser Licht verdunkelt. Denn nur wenn in uns selbst, in unserem Herzen und aus unseren Augen, das Licht hell strahlt, kann es auch nach außen dringen.

Um diese Ent-wicklung, diesen Transformationsprozess zu durchleben und die Scheiben unseres „inneren Lampe“ zu reinigen, brauchen wir regelmäßig Stille – mit uns selbst und mit Jesus. Schauen wir liebevoll hin auf das, was unser Licht zu verdunkeln droht – Trauer, Groll, Enttäuschung oder was auch immer. Manche negativen Gefühle, Gedanken, Erlebnisse, Erfahrungen und Erinnerungen können wir, nachdem wir sie ganz gefühlt haben, einfach loslassen. Manche können wir jedoch nur Schicht um Schicht abtragen, möglicherweise brauchen wir dabei auch Hilfe. Wichtig ist jedoch, dass wir los-lassen wollen. Geben wir alles Jesus, damit er es verwandeln kann. Denn alles, was wir festhalten, belastet uns, macht unser Leben schwer und dunkel.

Außerdem braucht es, um Licht zu sein, manchmal auch sehr großen Mut. Dessen müssen wir uns bewusst sein. Es kann zu Konflikten, dem Verlust lieber Menschen, des Rufes, der Arbeitsstelle, des Besitzes, schlimmstenfalls gar des Lebens kommen, wenn wir etwas „beleuchten“, das sich im Dunkeln versteckt…! Etwa kritisch hinterfragen, was uns Kirche, Regierungen, Medien, Wissenschaft und andere Mächtige sagen oder vorschreiben, schlimmstenfalls uns gar zu etwas zwingen wollen…! Denn nicht selten haben sich vermeintliche Lichter als Irrlichter entpuppt, die angeblichen Wahrheiten wurden als große Lügen aufgedeckt, das für richtig Gehaltene endete als schrecklicher Irrweg, manchmal gar in Katastrophen – die Geschichte ist voll von solch folgenreichen Ereignissen…!

Das Licht in uns nähren
Wenn wir „Feuer und Flamme“ für Jesus sind, dürfen wir trotzdem nicht die Selbstliebe vergessen. Auch Jesus hat sich immer wieder zurückgezogen und ist nicht immer sofort gekommen, wenn er gerufen wurde. Denn die Selbstliebe ist der Maßstab der Nächstenliebe, so heißt es im Liebesgebot. Fehlt uns nämlich die Selbstliebe, kann das Feuer in uns sich zu einem zerstörerischen Brand entwickeln – und wir brennen aus…!

Eine Kerze, eine Öllampe oder ein Feuer kann nur so lange brennen, wie es Nahrung hat. Alles Leben im Kosmos strebt immer nach der Aufrechterhaltung des Gleichgewichts, z.B. ein- und ausatmen, Hitze und Kälte. Es braucht das unaufhörliche hin- und herschwingen zwischen zwei Polen, denn nur so bleiben wir lebendig und genährt.

Seien wir also achtsam mit uns selbst und geben uns das, was wir täglich brauchen, um gesund an Körper, Geist und Seele zu bleiben. Seien wir vor allem wachsam, wo „Energieräuber“ lauern. Denn so viel Ungutes und Dunkles prasselt rund um die Uhr auf uns ein. Beispielsweise die täglichen Nachrichten in Fernsehen, Radio und Internet oder Menschen, die immer auf das Negative schauen. Meiden wir das möglichst alles, um nicht in den ständigen Sog von negativen Gedanken, Gefühlen, Erfahrungen und Erlebnissen hineingezogen zu werden.

Wenn wir ein Licht für die Welt sein wollen, brauchen wir den Fokus auf das Positive und Schöne, so wie die Kinder. Beispielsweise indem wir möglichst oft schöne Musik hören, singen, tanzen, lachen und lächeln, malen, spielen, träumen, uns mit Pflanzen umgeben, mit lieben, gleichgesinnten Menschen essen, feiern, beten, viel Zeit in der Natur und der Stille verbringen, aufbauende Bücher lesen, schöne Filme schauen, gesunde Nahrung essen, unsere Wohnung schön gestalten etc. Einfach so oft wie möglich das tun, was uns gut tut, denn das nährt unser inneres Licht.

Um ein Licht zu sein, brauchen wir nicht unbedingt große Taten zu vollbringen. Allein indem wir das göttliche Licht ausstrahlen und entsprechend im Alltag handeln, wirken wir auf die Menschen. Und sie werden sich an uns wenden und nach unseren Quellen fragen. Dann können wir ihnen helfen, das Licht auch in sich selbst wieder zu entdecken und ebenfalls ein Licht für die Welt zu werden.

Eine Lichtmeditation
In der Antike konnten die dunklen Stunden des Tages nur durch die Kraft des Feuers erleuchtet werden in Form von Kerzen, Öllampen, Laternen oder Fackeln. Deshalb ist dieses Bild auch so kraftvoll. Für uns dagegen ist das elektrische Licht alltäglich. Erst bei einem Stromausfall wird uns wieder die Kostbarkeit des Lichtes bewusst.

Deshalb lade ich Sie zu einer kleinen Meditation am Abend (oder frühen Morgen) ein:

Legen Sie Streichhölzer oder Feuerzeug und einige Teelichter auf einer feuerfesten Unterlage auf den Tisch, eventuell auch Papier und Stift, wenn Sie Ihre Gedanken aufschreiben wollen.

Dann schalten Sie das Licht aus. Lassen Sie die Dunkelheit einige Minuten auf sich wirken. Wie fühlen Sie sich, welche Gedanken und Gefühle tauchen auf, vielleicht auch Erinnerungen und Erlebnisse?

Nun zünden Sie ein Teelicht an und lassen die kleine Flamme einige Zeit auf sich wirken. Wie verändern sich der Raum, Ihre Gefühle, Ihre Gedanken?

Schließlich zünden Sie die anderen Teelichter an. Wie verändert sich nun die Atmosphäre durch mehr Licht? Welche Gedanken, Gefühle, Erinnerungen und Erlebnisse tauchen nun auf?

Vielleicht machen Sie es sich zu einer Gewohnheit, am Abend eine Kerze anzuzünden und einen kurzen Rückblick auf die schönen Momente des Tages zu halten. So werden Sie täglich durch dieses kleine Lichtritual an die wärmende und nährende Kraft des göttlichen Feuers erinnert und an Jesu’ Auftrag, ein Licht in der Welt zu sein. Und wenn Sie Ihre Gedanken und Erlebnisse aufschreiben, entsteht so ein kleines Buch mit Ihren persönlichen „Lichtmomenten“. Amen.

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