Die Logik Gottes und die Logik des Geldes – 25. Sonntag im Jahreskreis C

Aus dem Evangelium nach Lukas, Kapitel 16
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern und Jüngerinnen:
9 Ich sage euch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit ihr in die ewigen Wohnungen aufgenommen werdet, wenn es zu Ende geht.
10 Wer in den kleinsten Dingen zuverlässig ist, der ist es auch in den großen, und wer bei den kleinsten Dingen Unrecht tut, der tut es auch bei den großen.
11 Wenn ihr nun im Umgang mit dem ungerechten Mammon nicht zuverlässig gewesen seid, wer wird euch dann das wahre Gut anvertrauen?
12 Und wenn ihr im Umgang mit dem fremden Gut nicht zuverlässig gewesen seid, wer wird euch dann das Eure geben?
13 Kein Sklave kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben, oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.

Autorin:
Foto-SueSusanne Grimbacher, Pastoralreferentin in der Diözese Rottenburg-Stuttgart

 
Die Predigt:
Die Logik Gottes und die Logik des Geldes

Liebe Leserin, lieber Leser,
Du kannst nicht Gott dienen und dem Mammon! Wenn ich diesen bekannten Ausspruch Jesu höre, dann habe ich sofort das Evangelium von vor zwei Wochen im Kopf: Wer nicht seinen ganzen Besitz weggibt, kann nicht mein:e Jünger:in sein. Und dann denke ich mir: Das kann ich nicht authentisch predigen. In diesen Zeiten, in denen die Inflation zuschlägt und Kosten in die Höhe schnellen, wäre es eine Farce, über Besitzlosigkeit zu predigen. Das ginge für die allermeisten hier an der Lebenswirklichkeit vorbei, schätze ich. Und hilfreich ist es auch nicht.

Worum geht es also? Es geht ums DIENEN. Das Wort schillert, es ist nicht eindeutig. Ich bin mir unsicher, ob es negative oder positive Gefühle in mir auslöst, irgendwie bin ich verwirrt.

Dienen bedeutet auf der einen Seite, „in abhängiger Stellung bestimmte Aufgaben erfüllen“ (Duden). Wenn ich an diese Abhängigkeit denke, wird mir mulmig. Ich sehe Dienstmädchen und Knechte vor mir, die zu manchen Zeiten nicht mehr als Sklaven oder Leibeigene waren.

DIENEN bedeutet auf der anderen Seite aber auch, „sich einer Sache oder Person freiwillig unterordnen und für sie wirken; für jemanden, etwas eintreten“ (Duden). Einer guten Sache dienen ist etwas, das ich mit Herzblut, Engagement und Leidenschaft verbinde – was für mich sehr positiv gefärbt ist und das ich mit einem positiven Effekt verbinde.

Wie ist das Wort also gemeint, wenn Jesus vom DIENEN spricht? Ich denke, dass ein Zwangsdienst per se ausgeschlossen ist, denn es scheint offensichtlich zu sein, dass es hier um eine Entscheidung geht, die Menschen treffen können. Es heißt also: Möchtest du für Gott eintreten und für ihn wirken – oder für den Mammon? Und vielleicht kommt noch die Färbung hinzu: Möchtest du dich von Gott abhängig machen oder vom Mammon?

Dieser Mammon ist ja kein Ungeheuer, kein Dämon, wie er manchmal bildlich dargestellt wird. Mammon ist einfach das aramäische Wort für Besitz und bedeutet später auch Geld. Ich habe es oben schon angedeutet – ich möchte Besitz und Geld nicht verteufeln. Das führt uns meiner Ansicht nach nicht weiter.

Die Frage ist nur: Möchte ich davon abhängig sein und mein Herzblut dafür geben? Natürlich gehen wir alle arbeiten, um Geld zu verdienen oder haben das viele Jahre gemacht. Natürlich leben wir in einer Welt, in der man ohne Geld schlecht auskommt. In gewisser Weise sind wir alle abhängig von Geld und Besitz, keine Frage.

Aber folgen wir der Logik des Geldes in eine Abhängigkeit hinein? Legen wir all unser Herzblut dahinein, immer mehr Besitz anzuhäufen? Glauben wir, dass Geld uns frei machen und retten kann? Geld macht vieles einfacher und bis zu einem gewissen Punkt gibt es uns das Gefühl von Freiheit, weil es uns die Möglichkeit gibt, unser Leben zu gestalten. Aber kann es uns glücklich machen? Kann es uns retten, wenn wir uns verloren fühlen? Ich kenne niemanden, wirklich niemanden, der sich verloren und traurig fühlte und dieses Gefühl länger als maximal ein paar Stunden durch einen Spontankauf bekämpfen konnte.

Die Frage ist: Wollen wir der Logik des Geldes dienen, wollen wir in die Abhängigkeit eines immer Mehr kommen – und dabei alles andere auf der Strecke lassen? Der Gegenpart ist die Logik Gottes, der uns immer wieder zusagt: Du bist genug. Du, genau so wie du bist, bist du gut und genug. Die Logik Gottes ist die der Liebe, die der Menschlichkeit.

Wie gehst du mit Menschen um, die du wirklich liebst? Du liebst einen Menschen nicht, weil er 5.000€ netto jeden Monat nach Hause bringt. Sondern weil er ist, wer er ist. DU bist genug. Diese Logik ist die Logik Gottes und sie steht in krassem Gegensatz zur Logik des Geldes.

Ich frage mich, ob der Autor des Briefes an Timotheus in der Lesung auch unsere Bibelstelle im Kopf hatte. Denn er fordert zum Gebet auf, vor allem „für die Herrscher und für alle, die Macht ausüben“.
Lasst uns beten, dass wir selbst, aber auch die, die besonders mit Macht und Geld konfrontiert sind, sich nicht von der Logik des Geldes, sondern von der Logik Gottes, der Logik der Liebe und der Menschlichkeit leiten lassen, damit – wie es in der Lesung weiter heißt – wir in aller Frömmigkeit und Rechtschaffenheit ungestört und ruhig leben können.

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