Es gibt nur einen Weg in die Zukunft – 21. Sonntag im Jahreskreis C

Aus dem Evangelium nach Lukas, Kapitel 13
In jener Zeit
22 zog Jesus auf seinem Weg nach Jerusalem von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf und lehrte.
23 Da fragte ihn einer: Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden? Er sagte zu ihnen:
24 Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen; denn viele, sage ich euch, werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen.
25 Wenn der Herr des Hauses aufsteht und die Tür verschließt und ihr draußen steht, an die Tür klopft und ruft: Herr, mach uns auf!, dann wird er euch antworten: Ich weiß nicht, woher ihr seid.
26 Dann werdet ihr anfangen zu sagen: Wir haben in deinem Beisein gegessen und getrunken und du hast auf unseren Straßen gelehrt.
27 Er aber wird euch erwidern: Ich weiß nicht, woher ihr seid. Weg von mir, ihr habt alle Unrecht getan!
28 Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein, wenn ihr seht, dass Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes sind, ihr selbst aber ausgeschlossen seid.
29 Und sie werden von Osten und Westen und von Norden und Süden kommen und im Reich Gottes zu Tisch sitzen.
30 Und siehe, da sind Letzte, die werden Erste sein, und da sind Erste, die werden Letzte sein.

Autorin:
M. Rings-KleerMarita Rings-Kleer, Gemeindereferentin in der Pfarreiengemeinschaft Altenkessel-Klarenthal, Diözese Trier

 
Die Predigt:
Es gibt nur einen Weg in die Zukunft

Liebe Leserin, lieber Leser,
beim heutigen Evangelium kommen mir drei Gespräche in den Sinn, die ich eher unfreiwillig mit anhören musste. Im ersten Gespräch beklagt sich eine Frau, weil das Silvestermenü in 2022, offensichtlich wegen Corona, teurer geworden sei. Im zweiten Gespräch stehen gleich mehrere Frauen zusammen und jammern, weil die gestiegenen Lebenshaltungskosten ihnen die Urlaubskasse schmälern. Und beim dritten Gespräch unterhielten sich zwei Frauen darüber, dass sie das wohlschmeckende Fleisch des Iberischen-Schweins nun nur noch im Sonderangebot kaufen können, es sei ja so viel teurer geworden.

Die Frauen, und ich denke, das gilt bei den Männern und „ihren“ Themen sicher genauso, waren und sind es gewohnt, dass sie schon viele Jahre ohne Einschränkungen finanzieller Art leben können. Wir Menschen in West-Europa leben alle mehrheitlich im Wohlstand und können uns schon seit vielen Jahren Silvester-Menüs, Urlaube und besondere Lebensmittel leisten. Unser finanzieller Rahmen wurde immer weiter und auf einmal sehen wir uns mit einer Pandemie und einem Krieg konfrontiert, der unsere komfortable Lebensweise zumindest in Frage stellt. Gespräche, in denen Menschen sich darüber unterhalten, wie sie dieser neuen Lebens-Realität positiv begegnen können, habe ich noch keine gehört. Wenn ich selbst dann, ganz zaghaft, das Wort „Verzicht“ oder „freiwillige Einschränkung“ nenne, ernte ich jedes Mal heftigen Widerspruch. Niemand will verzichten, viele haben sich gut und bequem im Wohlstand eingerichtet und auch der Hinweis darauf, wer diesen Wohlstand „bezahlt“, interessiert nicht.

Da kommt Jesus im heutigen Evangelium – und auch schon am vergangenen Sonntag – ganz anders daher:
Er ist entschieden und fordernd und sein Satz heute: Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen, kommt bei vielen Menschen gar nicht gut an. Ist dort doch auf den ersten Blick vom Verzichten zu Rede. Er würde eigentlich ganz gut in die Fastenzeit passen, wo Verzichten, Weniger und Abnehmen ja Thema ist. Doch der Verzicht gilt für das ganze Jahr und für alle Bereiche des Lebens.

Was passiert, wenn wir nicht verzichten, sondern uns nach wie vor alles gönnen, was unsere Kassen hergeben, das sehen wir im Augenblick ganz konkret vor unseren Haustüren. Das Klima hat sich gewandelt und die Natur hat angefangen, sich zu wehren. Doch leider kommt dieser Zusammenhang noch nicht bei der Mehrheit der Menschen an. Noch wird nicht verzichtet, nicht auf weite Reisen, nicht auf täglichen Fleischverzehr, nicht auf Konsum aller Art. Die Tür, durch die wir gehen, wird jeden Tag weit gehalten, wir haben uns ja so sehr daran gewöhnt. Und weil wir uns auch von Jesus nicht an unsere Fehlhaltung erinnern lassen wollen, bleiben wir doch lieber gleich auch aus den Gottesdiensten weg.

Dabei gibt es nur einen Weg in die Zukunft und der führt tatsächlich nur durch die enge Tür. Nur durch „Weniger“ von allem können wir uns auf den Durchgang vorbereiten. Wer dazu nicht bereit ist, bleibt eben draußen, egal wie vehement er auch an die Tür klopft und welche Argumente er auch hat – er bleibt draußen, auch da ist Jesus entschieden und konsequent. Da helfen keine guten Kontakte, keine Vernetzung, kein Schmiergeld, keine Deals und auch keine vorgeschobene Unwissenheit.

Mehr noch: Jesus wertet das Tun der Menschen sogar: Ihr habt Unrecht getan. Er ist nicht mehr diplomatisch, verkleidet seine klare Forderung nicht mehr in Gleichnisse oder lässt Spielraum bei der Interpretation. Und dennoch konnte Jesus auch schon zu seiner Zeit nicht alle überzeugen, geschweige denn heute, wo Wohlstand den Blick vieler Menschen doch sehr eintrübt. Die Anderen, die Mahner, die Propheten, werden nicht angehört, sie stören nur.

Dabei steht nicht weniger auf dem Spiel als das Leben. Das Leben hier auf unserem Planeten, jetzt und in Zukunft, aber auch das Leben in der Ewigkeit. Es ist eine „Gretchenfrage“ in der Pastoral, wenn Menschen fragen, ob auch die „in den Himmel kommen“ die in der Welt so ganz offensichtlich böse und menschenfeindlich waren? Wir tun uns dann schwer, auf Jesus und seine klaren Worte zu verweisen. Der gütige und verzeihende Gott wird dann oft bemüht. Aber ich denke, es gilt auch hier das pädagogische Prinzip: Alles hat seine Konsequenz. Und wenn ich nichts tue, um durch die enge Tür zu gelangen, dann bleibe ich eben draußen. Da hilft auch keine „Blitz-Diät“ auf dem Sterbebett.

Tagtäglich habe ich mit Menschen zu tun, die mich fragen: „Warum ist mir oder einem Familien-Mitglied dieses und jenes Unglück widerfahren?“ Oft genug möchte ich dann mit dem lapidaren Satz antworten: „Kleine Sünden bestraft der Herr sofort!“ Stattdessen versuche ich mit Argumenten, vom falschen Weg abzulenken, vorsichtig auf Fehlhaltungen hinzuweisen und auch auf die Solidarität mit all den Menschen, die von diesen Fehlern schmerzhaft betroffen sind. Ob meine Worte wirken?

Aber der Weg durch die enge Tür bedeutet nicht nur Verzicht und Bescheidenheit, er bedeutet eben auch Solidarität mit Menschen weltweit. Wer eine Kreuzfahrt macht, auf der Menschen zu Hungerlöhnen und wie Slaven schuften, damit die „Upper-Class“ für kleines Geld im Luxus schwelgen können, der lädt Schuld auf sich. Und ein Weiteres gilt auch: der Weg zur engen Tür muss mit allen Kräften gestaltet werden. An der Stelle werden wohl auch die Willigen einknicken und sagen, dass auch sie das nicht schaffen.

In der Tat liegt die Latte hoch bzw. ist die Tür eng. Aber es lohnt sich jeden Tag ein klein wenig daran zu arbeiten. Es lohnt, auch kleine Schritte zu gehen, immer wieder zu reflektieren und neue Möglichkeiten zu entdecken, ein gutes und frohes Leben zu führen, ohne im Wohlstands-Konsum zu versinken. Es lohnt sich auch deswegen, weil es schon in unseren Jahren hier auf der Erde ein gutes Gefühl ist, wenn ich mich mit allen Kräften bemühe. Dazu brauche ich keinen Luxus-Urlaub, kein 2-Sterne-Essen oder jeden Tag Fleisch auf dem Tisch. Das Jammern erspare ich mir. Und wenn ich dann anderen meine Solidarität ganz konkret zeige, indem ich mit ihnen teile, ist das sogar ein sehr gutes Gefühl. Vor der engen Tür jedenfalls ist mir nicht bange.

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