Mit ihm auf dem Weg – Ostermontag 2022

Aus dem Evangelium nach Lukas, Kapitel 24
Übersetzung „Bibel in gerechter Sprache“
13 Und siehe, zwei von ihnen (den Jüngerinnen und Jüngern) wanderten an diesem Tag in ein Dorf, das von Jerusalem 60 Stadien entfernt war, namens Emmaus;
14 und sie redeten miteinander über alle diese Ereignisse.
15 Als sie miteinander redeten und nachdachten, da näherte sich Jesus selbst und ging ein Stück Weg mit ihnen.
16 Ihre Augen aber wurden mit Kraft davon abgehalten, ihn zu erkennen.
17 Er sprach zu ihnen: „Was sind das für Worte, die ihr unterwegs miteinander wechselt?“ Und sie blieben niedergeschlagen stehen.
18 Derjenige, der Kleopas hieß, antwortete ihm: „Bist du der Einzige, der in Jerusalem weilt und nicht erfahren hat, was sich in diesen Tagen da ereignet hat?“
19 Er sagte zu ihnen: „Was?“ Sie antworteten ihm: „Das mit Jesus von Nazaret, der ein Prophet war, mächtig in Tat und Wort vor Gott und dem ganzen Volk;
20 wie ihn die Hohenpriester und unsere Obrigkeit zum Todesurteil ausgeliefert haben und sie ihn gekreuzigt haben.
21 Wir aber hofften, er sei es, der Israel befreien sollte. Aber bei allem ist es schon der dritte Tag seit dies geschehen ist.
22 Aber auch einige Frauen aus unserer Mitte haben uns erschreckt. Nachdem sie früh am Morgen bei der Gruft gewesen waren
23 und seinen Körper nicht gefunden hatten, kamen sie und sagten, sie hätten gar eine Erscheinung von Engeln gesehen, die sagten, dass er lebe!
24 Einige von uns gingen hin zur Gruft und fanden es so, wie die Frauen gesagt hatten. Ihn selbst aber haben sie nicht gesehen.“
25 Es sprach zu ihnen: „Oh, ihr seid ja unverständig und zu schwer von Begriff, um darauf zu vertrauen, was die Prophetinnen und Propheten gesagt haben!
26 War es nicht notwendig, das der Gesalbte dies erlitten hat und in seinen Lichtglanz hineinging?“
27 Und er begann bei Mose und allen prophetischen Schriften und erklärte ihnen überall, was dort über ihn stand.
28 Und sie näherten sich dem Dorf, wohin sie unterwegs waren, und er tat so, als ob der weiterwandern wollte.
29 Sie nötigten ihn mit dem Worten: „Bleibe bei uns, denn es will Abend werden und der Tag hat sich schon geneigt.“ Und er ging mit ihnen, um bei ihnen zu bleiben.
30 Als er mit ihnen zu Tische lag, nahm er das Brot, dankte, brach es und gab es ihnen.
31 Da wurden ihre Augen aufgetan und sie erkannten ihn. Er aber verschwand.
32 Und sie sagten zueinander: „Brannte nicht unser Herz in uns, als er auf dem Weg mit uns sprach und als er uns die Schriften erklärte?“
33 In dieser Stunde standen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück. Dort fanden sie die Elf und ihre Gefährtinnen und Gefährten versammelt.
34 Diese erzählten: „Der, dem wir gehören, ist wirklich auferweckt worden und dem Simon erschienen.“
35 Und sie selbst erzählten, was auf dem Weg geschehen war, und wie sie ihn beim Brotbrechen erkannt hatten.

Autorin:
_MG_7932-web Birgit DroesserBirgit Droesser

 
Die Predigt:
Mit ihm auf dem Weg

Liebe Leserin, lieber Leser,
die für diesen Festtag vorgesehene Autorin ist leider verhindert. Aber spontan möchte ich meine Gedanken heute mit Ihnen teilen. Ich möchte mich bei Lukas bedanken für dieses wunderbare Evangelium, das uns in dieser Zeit so viel Trost zuspricht. Als Gemeinde Jesu Christi dürfen wir es wissen: Christus geht unseren Weg mit, ganz besonders mit denen, die schwere Trauer tragen und leiden. Ein Bild aus unserer Tageszeitung hat mich sehr bewegt: Särge toter Soldaten, mit der ukrainischen Flagge bedeckt, und eine Mutter, die sich weinend über den Sarg ihres Sohnes beugt: die Pietà unserer Tage. Zigtausende junge Menschen sind inzwischen gefallen in diesem schrecklichen Krieg, so viele Mütter, Väter und Kinder trauern um Söhne, Geschwister und Väter. Und Christus ist bei ihnen, geht mit ihnen und leidet ihre Trauer mit. Der Leidensweg des Auferstandenen geht weiter.

Im Evangelium sind zwei Menschen auf dem Weg, von denen einer Kleopas heißt. Die Pastoralreferentin Annette Jantzen aus dem Bistum Aachen schreibt in ihrem Blog: Gotteswort, weiblich – Ein Text für jeden Sonntag: „Die Frau des Klopas, von der im Johannesevangelium erzählt wird, dass sie Maria hieß und beim Kreuz stand, als Jesus starb, sie war nicht (am Ostermorgen am Grab) dabei gewesen. Aber ein Mann mit einem dem Namen ihres Mannes so ähnlich klingenden Namen, dass es sich gut um die gleiche erinnerte Person handeln kann, nämlich Kleopas, war nun unterwegs, weg von Jerusalem. Sie waren zu zweit – es ist nicht weit hergeholt, anzunehmen, es waren Kl(e)opas und seine Frau Maria. Wir kennen sie nicht, wir wissen von den wenigsten Personen um Jesus mehr als den Namen und vielleicht noch Beruf und Heimatort. Aber wenn wir uns vorstellen, es waren ein Mann und eine Frau, dann kann uns das ganz neu in die Geschichte mit hineinnehmen. Die Frau sagt nichts. Welche Worte hat noch, wer die verbrecherische Hinrichtung eines geliebten Menschen mit angesehen hat?“

Ich nehme diese Deutung gerne an. Sie überzeugt mich, so könnte es gewesen sein; ein Ehepaar aus der Jüngerschar niedergedrückt und unendlich traurig. Wir hatten gehofft sagen sie, dass er es sei, der Israel befreien werde. Das scheint über alle Zeiten hinweg gültig zu sein, hoffen, dass der Mächtige Entscheidendes tut, dass er handelt, um diesem Elend ein Ende zu machen. Und wieder, wie schon in den großen Kriegen des letzten Jahrhunderts, müssen auch wir lernen, dass Gott nicht direkt eingreift. „Gottes Reich“ ist mit Jesus seit 2000 Jahren da, aber als etwas, das im Wachsen ist gegen allen Augenschein, im Wachsen in den Herzen der Menschen. Und Jesus gesellt sich zu uns und geht mit. Als Christen erkennen ihn im gebrochenen Brot, als Nahrung, ohne die der Weg viel zu weit für uns wäre. Aber er ist nicht nur in den Kirchen und Tabernakeln. Er ist dort, wo wir einander ernst nehmen. Er ist bei allen, bei den vielen, die jetzt helfen, um Leid zu lindern. Und er geht den Leidensweg der Opfer der Kriege mit. In den Augen vieler ist das wenig oder nichts. Im Glauben aber spüren wir seine unendliche Liebe und Kraft. Amen

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