Die Frauen am leeren Grab – Hochfest der Auferstehung des Herrn

Aus dem Evangelium nach Markus, Kapitel 16
Übersetzung: Basisbibel
1 Als der Sabbat vorbei war, kauften Maria aus Magdala, Maria, die Mutter von Jakobus, und Salome duftende Öle. Sie wollten die Totensalbung vornehmen.
2 Ganz früh am ersten Wochentag kamen sie zum Grab. Die Sonne ging gerade auf.
3 Unterwegs fragten sie sich: »Wer kann uns den Stein vom Grabeingang wegrollen?«
4 Doch als sie zum Grab aufblickten, sahen sie, dass der große, schwere Stein schon weggerollt war.
5 Sie gingen in die Grabkammer hinein. Dort sahen sie einen jungen Mann auf der rechten Seite sitzen, der ein weißes Gewand trug. Die Frauen erschraken sehr.
6 Aber er sagte zu ihnen: »Ihr braucht nicht zu erschrecken. Ihr sucht Jesus aus Nazaret, der gekreuzigt worden ist. Gott hat ihn vom Tod auferweckt, er ist nicht hier. Seht, da ist die Stelle, wo sie ihn hingelegt hatten.
7 Macht euch auf! Sagt es seinen Jüngern und besonders Petrus: Jesus geht euch nach Galiläa voraus. Dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch gesagt hat.«
8 Da flohen die Frauen aus dem Grab und liefen davon. Sie zitterten vor Angst und sagten niemandem etwas, so sehr fürchteten sie sich.

Autorin:
Susanne-WalterSusanne Walter, Gemeindereferentin in Stuttgart-Filderstadt

 
Die Predigt:
Die Frauen am leeren Grab

Liebe Leserin, lieber Leser,

Der irritierende Osterbericht von Markus
ist das wirklich die Frohe Botschaft, die wir gerade gehört haben? Zu Ostern gehört doch die Freude über die Auferstehung. Davon war in diesem Evangelium reichlich wenig zu spüren. Genau damit hat sich die Kirche wohl schon immer schwer getan. So wurde das Markusevangelium zwei Jahrhunderte später durch verschiedene Auferstehungsberichte der anderen Evangelien ergänzt und in der Gottesdienstordnung hört die Erzählung einfach einen Vers früher auf und endet mit der Ermutigung des jungen Mannes, nach Galiläa zu gehen, denn dort werden die Jüngerinnen und Jünger Jesus sehen

Wunderbar, damit passt jetzt alles. Die Texte sind angepasst. Ob das allerdings dem Anliegen von Markus gerecht wird, ist eine andere Frage. Seine Ostererzählung endet mit der Aussage: Da flohen die Frauen aus dem Grab und liefen davon. Sie zitterten vor Angst und sagten niemandem etwas, so sehr fürchteten sie sich. Warum nur hört Markus seine Ostererzählung und sein ganzes Evangelium so auf?

Die Absicht des Markusevangeliums
Das Markusevangelium ist das älteste und auch das kürzeste Evangelium. Es entstand kurz nach der Zerstörung des jüdischen Tempels, um ca 70 nach Christus. Das Christentum war noch eine sehr junge Religion und keineswegs anerkannt. Viele Christen wurden verfolgt und umgebracht. Wer sich zu Jesus bekannte, riskierte oft sein Leben. Immer wieder wird im Markusevangelium die Frage danach gestellt, wer dieser Jesus von Nazaret ist, in wessen Namen er handelt und wie die Menschen zu ihm stehen. Markus ruft dazu auf, in der Nachfolge Jesu zu bleiben und nach den kleinen Zeichen der Nähe Gottes zu schauen. Ein großer Teil des Evangeliums spielt sich auf dem Weg von Galiläa nach Nazaret ab. Dieser Weg ist eingerahmt von verschiedenen Heilungsgeschichten. Darunter auch zwei Blindenheilungen. Jesus nachzufolgen bedeutet, sehend zu werden und zu verstehen, wer Jesus ist. Dem gegenüber setzt Markus immer wieder die Aussage, dass die Jünger nicht begreifen. Sie sehen und begreifen noch nicht.

Die drei Frauen und das leere Grab
Und wir wissen auch, wie sie am Schluss alle davongelaufen sind, Angst hatten, feige waren. Sogar Petrus, der ganz großspurig behauptet hatte, immer zu Jesus zu halten, hat ihn doch verleugnet. Nur die drei Frauen, Maria von Magdala, Maria, die Mutter des Jakobus und Salome, sind bei Jesus geblieben. Sie sind Jesus schon von Galiläa her gefolgt und sind auch bei seinem Tod nicht davongelaufen. Sie haben Jesus die ganze Zeit begleitet, sie sind erfüllt von Mitleid. Jetzt wollen sie ihm noch einmal einen Dienst erweisen, sie wollen ihn noch einmal berühren, ganz nahe bei ihm sein und ihn salben. Aber es kommt anders. Der Stein ist weg, und Jesus ist weg. Der Schreck ist groß. Stattdessen sitzt da ein junger Mann in weißen Gewändern und redet mit ihnen. Ihr braucht nicht zu erschrecken. Ihr sucht Jesus aus Nazaret, der gekreuzigt worden ist. Gott hat ihn vom Tod auferweckt, er ist nicht hier. Macht euch auf! Sagt es seinen Jüngern – so hören sie. Doch sie können es wohl nicht glauben. Sie verstummen, sind entsetzt und fliehen.
Mal ganz ehrlich: das können wir doch absolut nachempfinden. Würde es uns nicht genauso gehen? Das ist eine absolut menschliche Reaktion.

Auf die kleinen Zeichen achten
Jesus geht euch nach Galiläa voraus. Dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch gesagt hat. In Galiläa hat Jesus seine Jüngerinnen und Jünger berufen. In Galiläa ging ihr Weg mit Jesus los. Dorthin sollen sie zurück. Sie sollen zurück nach Galiläa – zurück zum Anfang. Die Frauen sollen sozusagen den Resetknopf drücken. Alles wieder zurück auf Anfang stellen.

Die drei Frauen, die die ganze Zeit zu Jesus gehalten haben, werden reichlich belohnt. Sie sind die ersten Zeuginnen der Auferstehung. Jetzt kommt es auf sie an. Aus den Zuhörerinnen sollen Erzählerinnen werden. Sie sollen sich nicht nur erinnern, an das, was sie mit Jesus erlebt haben. Sie sollen diese Erinnerung mit anderen teilen und nicht für sich behalten.

Irgendwann muss es bei den Frauen und den Jüngern „Klick“ gemacht haben. Sie sind zurück nach Galiläa. Sie haben sich aus der Schockstarre gelöst und sind wieder in Bewegung gekommen.

Jesus hat sein Versprechen gehalten. Davon berichten die Ostererzählungen aller Evangelien. Als erstes ist er Maria von Magdala erschienen und dann den anderen Jüngern. Sie erkennen ihn, als er zu ihnen spricht und das Brot mit ihnen teilt. Sie glauben und kommen alle wieder in Bewegung und erzählen von dieser froh machenden Botschaft. Jesus ist auferstanden!

An die Auferstehung glauben, bedeutet in Bewegung kommen
Jesus versperrt sich keinem Menschen. Die Frage ist, ob ich mich versperre. Galiläa steht auch für mein Leben und meinen Alltag.

Für Markus ist die Frage nach der Auferstehung Jesu endgültig beantwortet. Jesus ist der Messias, der Sohn Gottes. Er ist nicht hier, nicht im Grab. Er ist auferstanden! Er geht uns voraus. Mehr braucht es für ihn nicht.

Die entscheidenden Frage ist, ob ich es glaube und ob ich dadurch in Bewegung komme – Ob ich die kleinen Zeichen wahrnehme. Diese Frage sollten wir uns immer wieder stellen in unserem eigenen Leben, aber auch in unserem Leben als Gemeinde. Vermitteln wir eine Botschaft des Verharrens, Erschreckens und letztlich des Todes, oder eine Botschaft des Lebens, der Bewegung, des Weges.

Jesus ist erfahrbar wenn wir sein Wort hören – warum übersetzten wir sein Wort so wenig in eine Sprache die Menschen heute verstehen?
Jesus ist erfahrbar wenn wir das Brot miteinander teilen – warum sollten wir es Menschen verwehren, mit uns das Brot zu teilen?
Jesus ist erfahrbar, wenn wir füreinander da sind – ob in direktem Kontakt oder über andere Medien und auch Gedanken – warum suchen wir nicht mehr nach Wegen und Möglichkeiten, wie wir gut in Kontakt miteinander sein können?
Jesus verschließt sich keinem Menschen – wieso sollten wir uns Menschen verschließen, die nicht „ins Konzept passen“?
Jesus beruft Frauen und Männer in seine Nachfolge – warum sollten wir Frauen verwehren, ihre Berufung ohne Einschränkung zu leben?

Die Botschaft von Jesus ist eine Botschaft des Lebens. An die Auferstehung glauben bedeutet, in Bewegung zu kommen. Kommen Sie in Bewegung!

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