Mehr als ein nasser Segen – Taufe des Herrn B und Ende der Weihnachtszeit

Aus dem Evangelium nach Markus, Kapitel 1
1,7 In jener Zeit trat Johannes in der Wüste auf und verkündete:
Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken, um ihm die Riemen der Sandalen zu lösen.
8 Ich habe euch nur mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.
9 In jenen Tagen kam Jesus aus Nazaret in Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen.
10 Und sogleich als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass der Himmel aufriss und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam.
11 Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.

Autorin:
Margret Schäfer-Krebs Margret Schäfer-Krebs, Pastoralreferentin, Referentin im Bischöflichen Ordinariat Rottenburg für Liturgie und Ökumene

 
Die Predigt:
Mehr als ein nasser Segen

Liebe Leserin, lieber Leser,
einige von denen, denen ich sonst gelegentlich oder vereinbart begegne, sind in den vergangenen Wochen und Monaten wie abgetaucht. Sie sind irgendwie aus dem Blickfeld geraten und weil sie auch vorher nicht so auffallend waren, ist es mir auch nicht so schnell aufgefallen. Das Corona-Jahr hat das Beziehungsgeflecht etwas umsortiert. Manche, die abgetaucht sind, brauchen vielleicht einen Schonraum um mit all dem klarzukommen, was die letzte Zeit mit sich brachte.

Und dann gibt es solche, die plötzlich auftauchen: auf den Plätzen und Straßen, in den Zeitungen und in diversen Medien. Besorgte Demonstranten neben Corona-Leugnern, ernst zu nehmende Experten und dilettantische Besserwisser. Verschwörungstheoretiker und gefährliche Populisten. Und dann treten noch die vielen Politiker und Politikerinnen in Erscheinung, die eine Verantwortung und Entscheidungsmacht haben, bei der es ihnen vielleicht selbst bisweilen schwindelig wird. Corona – die Welt ist in einen Tauchgang geraten, an dem sich viele gewaltig verschlucken oder gar untergehen.

Heute, am Fest der Taufe des Herrn hören wir von Jesus, wie er zu Johannes an den Jordan kommt, und sich von ihm taufen lässt. Konkret, Jesus taucht für eine Weile im Jordanwasser unter und danach wieder auf. Alle vier Evangelisten berichten davon so, dass Jesu Taufe am Beginn seines öffentlichen Wirkens steht. Beim Evangelisten Markus beginnt die Jesusgeschichte überhaupt erst mit seiner Taufe. Markus bietet mit der Taufszene somit ein Weihnachtsevangelium, das liturgisch nicht von ungefähr den Abschluss der Weihnachtszeit markiert und Hoffnung für den gläubigen Alltag bereithält.

Gott wird Mensch, Gott kommt als Kind zur Welt, so wird die Weihnachtsbotschaft des Evangelisten Lukas in Krippendarstellungen anschaulich gemacht. Diese Botschaft gilt allen Menschen und einige folgen ihr auch von weit her, so steht es beim Evangelisten Matthäus und die Krippen bekommen Zuwachs durch drei Könige mit ihrem Gefolge. Und heute reiht sich Jesus in die Reihe derer ein, die sich als Sünder bekennen und sich als Zeichen der Umkehr und des Neubeginns taufen lassen.

Gott wird Mensch und taucht ein in die Gemeinschaft der Sünder, der Unperfekten, der Beschädigten, er taucht ein in die Welt wie sie ist, und wie wir sie leider auch gemacht haben. Jesus, der Gottessohn ist nicht wie ein antiker Held oder abgehobener Superstar, der Stallgeruch von Betlehem bleibt an ihm haften. In der Taufe Jesu kommt eine Haltung zum Ausdruck, die sein ganzes Leben geprägt hat: Eine Solidarität nicht von oben herab, keine mitleidige Helferhaltung, die das Oben und Unten noch zementiert. Jesus ist eingetaucht in die menschlichen Abgründe. Seine Solidarität geschieht auf Augenhöhe und mit Tiefgang. Das ist nicht nur Herz-zerreißend – das ist Himmel-zerreißend: Und sogleich, als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass der Himmel aufriss (V 10) – im Tun Jesu lässt sich der Himmel blicken. Selbst noch in seinem Tod, als es den Vorhang im Tempel zerreißt. Über Gott können wir Menschen philosophieren und phantasieren – erkennen aber lässt er sich in Jesu Geburt, in seiner Taufe, in seinem Leben und Sterben – darin lässt Gott seine Hüllen fallen.

Jesus zeigt uns Gott und Gott weist auf Jesus: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlfallen gefunden. Vom Griechischen her könnte man auch etwas freier übersetzen: Du gefällst mir – an dir freue ich mich – ich bin auf deiner Seite – ich stehe zu dir. Was der Evangelist Markus mit der Taufe Jesu beginnen lässt, zieht sich in Jesu Leben und Wirken durch, selbst durch seinen grausamen Tod hin-durch.
Mit der Taufe, auch mit unserer Taufe fängt etwas Neues an, sie ist die Alter-native. Wörtlich, sie ist die andere, neue Geburt. Gottes Ja und Geist lassen auftauchen aus all den Verstrickung und Abgründen und Nöten, auch Erbsünde genannt, in die unser Leben eingetaucht ist. Alter-nativen im Sinne und Geist Gottes sind möglich. Das zeigt Jesu weiterer Lebensweg:
Das Nein zum Versucher in den anschließenden vierzig Tagen in der Wüste,
Barmherzigkeit statt Rechthaberei,
Heilungen statt Gleichgültigkeit,
Hingabe statt Berechnung,
hinschauen statt wegschauen,
lieben statt hassen,
schweigen statt Öl ins Feuer gießen,
Gott vertrauen,
beten
und nochmals lieben.

Sich auf den Namen dieses Jesus taufen zu lassen ist mehr als ein nasser Segen, so nach dem Motto es kann ja nicht schaden. Die Zusage Gottes, du bist mein geliebter Sohn, du bist meine geliebte Tochter sind keine leeren Worte und sein heiliger Geist will und kann für ein heiliges heilsames Leben be-geistern. Wer sich auf den Namen Jesu taufen lässt, hat eine Alter-native zu gängigen Lebensmustern. Aus Gottes Ja und Liebe neu geboren kann er und sie anderes gebären und in die Welt setzen:
hinschauen statt wegschauen,
lieben statt hassen,
schweigen statt Öl ins Feuer gießen,
Gott vertrauen,
beten
und nochmals lieben.

Mal wieder nach denen fragen, die in letzter Zeit abgetaucht sind, um die es still geworden ist. Und wachsam sein, denen gegenüber, die mit allen möglichen Botschaften auftauchen. Und nicht verpassen oder übersehen, wo für mich und Dich der Himmel aufreißt.

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Eine Antwort auf Mehr als ein nasser Segen – Taufe des Herrn B und Ende der Weihnachtszeit

  1. gabriele sagt:

    DAnke für diese aussagekräftige Predigt zur Taufe Jesu, besonders für die Alter-native.
    Darauf käme es an, dass wir Alter-nativen finden, immer wieder in unserem Leben. Und zwar solche, die zum lebendig machen, aufbauen, eben wie oben gesagt!

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