1 In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und betete:
20 Vater, ich bitte aber nicht nur für diese hier (meine Jünger und Jüngerinnen),
sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben.
21 Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin,
sollen auch sie in uns sein,
damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.
22 Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast;
denn sie sollen eins sein, wie wir eins sind,
23 ich in ihnen und du in mir.
So sollen sie vollendet sein in der Einheit,
damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast
und die Meinen ebenso geliebt hast wie mich.
24 Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast,
dort bei mir sind, wo ich bin.
Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast,
weil du mich schon geliebt hast vor der Erschaffung der Welt.
25 Gerechter Vater, die Welt hat dich nicht erkannt,
ich aber habe dich erkannt
und sie haben erkannt, dass du mich gesandt hast.
26 Ich habe ihnen deinen Namen bekannt gemacht
und werde ihn bekannt machen,
damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast,
in ihnen ist und damit ich in ihnen bin.
Die Predigt:
Jesus will seine Verbundenheit mit dem Vater mit uns teilen
Liebe Leserin, lieber Leser,
der Evangelist Johannes hat eine ganz eigene Komposition seines Evangeliums. Dort, wo die anderen Evangelisten vom letzten Mahl Jesu mit seinen Freunden erzählen, finden wir bei Johannes die Fußwaschung und drei Kapitel, die als die Abschiedsreden Jesu an seine Jünger bezeichnet werden. Das letzte dieser Kapitel ist ein Gebet, das Jesus an den Vater richtet. Ein Bittgebet. Er bittet für die Jüngerinnen und Jünger und schließlich für alle Gläubigen, auch jene, die nicht anwesend sind, auch alle zukünftigen Gläubigen. Genau diese Stelle ist der Text des heutigen Evangeliums.
Jesus betet.
Im Angesicht der kommenden Katastrophe gibt er seinen Jüngerinnen und Jüngern nicht eine letzte Ermahnung oder eine Unterweisung als Vermächtnis, sondern das Gebet.
Jesus bittet für alle, die glauben, für alle, die durch das Wort der Jüngerinnen und Jünger zum Glauben gekommen sind und kommen werden. Und um was bittet Jesus? Um was würden wir bitten – für unsere Liebsten, für unsere Familie, für alle, die wir als „die Unseren“ bezeichnen?
Wenn Sie Lust haben, überlegen sie einen Moment in Stille, um was Sie selbst Gott für ihre Lieben bitten würden, angesichts des Abschieds?
Um Trost? Kraft? Geduld? Lebensmut? Freunde? Glaube?
Um Bewahrung vor Angst? Kummer? Leid? Schmerz? Gewalt? Ungerechtigkeit?
Um Glück? Zufriedenheit? Liebe? Unterstützung? Segen?
Um … … … ?
Jesus bittet seinen Vater darum, dass die Jüngerinnen und Jünger, die Gläubigen zu allen Zeiten, teilhaben an der Beziehung und Verbundenheit. In der digitalen Welt kann man alles „liken“ (gut finden) und „teilen“ (allen weiterschicken, denen man sagen will, dass man etwas gut findet). Das ist ein Klick am Computer oder ein Touch auf dem Smartphone und es gaukelt uns Freundschaft und Verbundenheit vor. Jesus will das aus tiefster Seele, weil es der wichtigste Teil seines Vermächtnisses ist, sein größtes Geschenk, für alle, die ihm glauben und ihm nachfolgen. Jesus will seine Verbundenheit mit dem Vater mit uns teilen:
EINS SEIN
du in mir
ich in dir
sie in uns
ich in ihnen
du in mir
ich in ihnen
deine Liebe in ihnen
damit die Welt erkennt und glaubt.
Was ist denn dieses EINS SEIN?
Es soll der Vater in Jesus erkennbar sein, Jesus im Vater. Es soll Jesus in den Gläubigen, in jedem Einzelnen, in ihrer Gemeinschaft erkennbar sein und das Wesen der Glaubensgemeinschaft soll in Jesus sichtbar sein.
Dieses Erkennen geht nicht von außen. Es geht nicht einher mit Zeichen machtvoller Präsenz und glanzvollem Auftreten. Es ist keine sozusagen erdrückende und offensichtlich zwingende Erkenntnis, keine, die mit Gewalt verordnet werden kann…
Dieses Erkennen geschieht eher mit dem inneren Auge. Wenn wir versuchen, hinter die Dinge zu blicken, den tieferen Sinn zu verstehen, nicht alles nur oberflächlich zu betrachten, genau hinzuschauen, auf Details zu achten. Gott suchen ist die Einladung an alle Menschen. Jesus zeigt uns mit seinem ganzen Leben, seinen Worten und Taten, wohin das führen kann. Zu der Erkenntnis, dass Gott, liebender Urgrund allen Lebens ist.
Und Jesus weiß, dass diese Erkenntnis allen Menschen möglich ist: Seinen Jüngerinnen und Jüngern und allen, die ihnen im Glauben folgen. Wir können Gott finden – in uns selbst, in unserer Verbundenheit mit Jesus, in der Jesus-Nachfolge, in der Welt, in der Schöpfung. Gott finden heißt vielleicht auch inneren Frieden und Sinn finden, Dankbarkeit und Hoffnung. Vertrauen und Zuversicht. Und Jesus zeigt uns deutlich, wie der Weg dahin aussieht.
Die Fußwaschung ist der eine Teil – der Teil der Liebestat, die Fürsorge, die Wertschätzung jedes Menschen, die wohlwollende Hilfe. Das Gebet ist der andere Teil – der Teil der Liebesquelle in der Verbundenheit mit der wohlwollenden Schöpferkraft, die Gott uns schenkt, die in Jesus uns lebendig und gegenwärtig ist.
Das Gebet, das nicht viele Worte braucht, das der Seele Raum und Zeit gibt, sich in die Gegenwart Gottes zu stellen – wo auch immer das sei.
Das kann in der Gemeinschaft der Gottesdienst Feiernden sein.
Jeder Lobpreis, jede Eucharistie, jede Andacht, jedes Lied
Das kann in der Stille sein.
Stille, die ich mir regelmäßig gönne,
Stille, in der bewusst alle „Ablenkungen“ abgeschaltet werden –
Auszeiten
Das kann in der Natur sein.
Im Garten, im Wald, im Park,
möglichst oft, um das Wetter, die Jahreszeit, die Pflanzen, die Tiere
wahrzunehmen, zu spüren, vertraut zu sein, erdverbunden zu sein, die
Erde zu kennen, auf der ich stehe
Das kann auch im Handeln sein.
In jedem Engagement, das für einen anderen Menschen geschieht – für die
Familie, für Menschen im näheren und weiteren Umfeld, für Fremde und
Freunde, für Hilfsbedürftige in materieller, körperlicher oder seelischer Not
Damit die Welt erkennt, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und damit ich in ihnen bin.
Liebe Leserinnen und Leser,
Ich möchte ihnen am Ende noch die Übersetzung der Bibel in leichter Sprache mitgeben – der Versuch, diese Texte, so einfach wie möglich, aber so textgetreu wie nötig allen zu erschließen, die mit theologischer, liturgischer oder sonst komplizierter Sprache nicht vertraut sind.
Und ich wünsche Ihnen viele Momente, in denen sie die Verbundenheit in ihrem Leben spüren können und sich lebendig fühlen. Amen.
Einmal betete Jesus zu Gott.
Jesus betete für seine Freunde.
Und für alle Menschen.
Jesus sagte:
Gott, du bist mein guter Vater.
Du weißt, dass ich meine Freunde lieb habe.
Bald werde ich nach meinem Tod zu dir kommen.
Und meine Freunde werden mich vermissen.
Guter Vater, ich bitte dich für meine Freunde.
Damit du immer bei meinen Freunden bist.
Meine Freunde erzählen von Dir.
Viele Menschen hören ihnen zu.
Und glauben an Dich, Vater.
Guter Vater, du und ich:
wir beide haben uns immer verstanden.
Wir waren uns immer einig.
Du bist in mir und ich bin in dir.
Wir sind eins.
Bei meinen Freunden soll es genauso sein.
Meine Freunde sollen auch eins sein.
Und unzertrennlich.
Untereinander.
Und mit Dir.
Und mit mir.
Dann glauben alle Menschen, dass ich wirklich von dir komme.
Guter Vater,
Du bist ein herrlicher guter Gott.
Das habe ich die ganze Zeit erlebt.
Darum habe ich den Menschen alles von dir erzählt.
Damit die Menschen über deine Herrlichkeit staunen.
Und sich miteinander verstehen.
Alle Menschen in der Welt sollen merken:
Dass du meine Freunde genauso lieb hast wie mich.
Guter Vater.
Alle meine Freunde sollen da sein, wo ich bin.
Meine Freunde sollen sehen, wie gut du bist.
Und wie lieb du mich hast.
Und dass du mich schon von Anfang an lieb hast.
Schon viel länger, als die ganze Welt besteht.
Lieber guter Vater.
Viele in der Welt kennen dich nicht.
Aber ich kenne dich.
Und meine Freunde haben gemerkt, dass ich wirklich von dir komme.
Guter Vater, ich habe meinen Freunden alles von dir erzählt.
Ich habe meine Freunde so lieb, wie du mich lieb hast.
Ich werde meine Freunde immer lieb haben.
Weil du mich auch immer lieb hast.
Ich bleibe immer bei dir.
Und ich bleibe immer bei meinen Freunden.
Von Tag zu Tag.
Quelle: http://www.evangelium-in-leichter-sprache.de/lesejahr-c-7-sonntag-der-osterzeit
