Das gute Beispiel zählt – 8. Sonntag im Jahreskreis C

Aus dem Evangelium nach Lukas, Kapitel 6
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern – ,Jüngerinnen und dem versammelten Volk – :
39 Kann etwa ein Blinder einen Blinden führen? Werden nicht beide in eine Grube fallen?
40 Der Jünger steht nicht über dem Meister; jeder aber, der alles gelernt hat, wird wie sein Meister sein.
41 Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht?
42 Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Bruder, lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen!, während du selbst den Balken in deinem Auge nicht siehst? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge; dann kannst du zusehen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.
43 Es gibt keinen guten Baum, der schlechte Früchte bringt, noch einen schlechten Baum, der gute Früchte bringt.
44 Denn jeden Baum erkennt man an seinen Früchten: Von den Disteln pflückt man keine Feigen und vom Dornstrauch erntet man keine Trauben.
45 Der gute Mensch bringt aus dem guten Schatz seines Herzens das Gute hervor und ein böser Mensch bringt aus dem bösen das Böse hervor. Denn wovon das Herz überfließt, davon spricht sein Mund.
46 Was sagt ihr zu mir: Herr! Herr! und tut nicht, was ich sage?

Autorin:
Greiner-Jopp Gabriele 2017Gabriele Greiner-Jopp, lebt in Wendlingen, war als Gemeindereferentin, Dekanatsreferentin und geistliche Begleiterin tätig

 

    Friedensgebet
    Bitte um SCHALOM

    für mein Leben – Stille –
    – Frieden beginnt bei mir

    für meine Familie – Stille –
    – Wer gehört dazu?

    für Freunde und Freundinnen – Stille –
    – für die, die mich im Alltag begleiten

    für die, die mir das Leben schwer gemacht haben
    und zurzeit schwer machen – Stille –

    für Menschen und Orte in dieser Welt,
    die Gottes Frieden besonders brauchen

    – Kirche der Stille, Hamburg-Altona –

Die Predigt:
Das gute Beispiel zählt

Liebe Leserin, lieber Leser
angenommen ich würde Sie fragen, ob Sie sogenannte „Sprücheklopfer“ kennen, würden vermutlich die meisten von Ihnen Ja sagen. Angenommen ich fragte weiter, ob Sie Sprücheklopfer mögen, wären die Antworten vermutlich differenzierter: Von: Ja, meistens, über: wenn sie witzig sind, oder: Na ja, es kommt auf die Art der Sprüche an, bis: Nein, die sind mir zu großmäulig, wäre wohl alles dabei. Und gerade sehen wir, wie gefährlich Sprücheklopfer wie Putin und Konsorten sein können, wenn aus ihren Großmannsprüchen blutiger Ernst wird.

Im heutigen Evangelium lernen wir Jesus als einen ganz anderen „Sprücheklopfer“ kennen. Was wir heute von ihm hören hat alles Eingang in unseren Zitatenschatz gefunden: Von der Grube, in die die Blinden fallen, über den Splitter im fremden Auge und dem Balken im eigenen, bis hin zu: Wovon das Herz voll ist, davon geht der Mund über, kennen wir diese Sprachbilder. Sie sind einleuchtend, treffend und zeigen Jesus als hervorragenden Beobachter. Wer von uns hätte nicht schon Splitter an anderen Menschen wie schlechtsitzende Kleider, schiefe Zähne, Haare am Jackett oder ähnliches kritisiert und dabei den eigenen Balken übersehen, z.B. die Beförderung einer Kollegin verhindert zu haben, ein Kind ungerecht behandelt, oder einen Menschen vor anderen lächerlich gemacht zu haben.

Jesus, der präzise Beobachter menschlichen Verhaltens und der Natur wertet nicht. Der „Sprücheklopfer“ beschreibt lediglich was ist. Wir können zuhören, es auf uns wirken lassen und: ja, zustimmen, weil Widerspruch zwecklos ist, bzw. die Realität leugnet. Doch ist es damit getan? Vermutlich nicht.

Lukas geht es mit Jesus darum, dass wir aus den Beobachtungen Konsequenzen ziehen. Was aus unserem Verhalten anderen Menschen gegenüber erwächst, welche Früchte es bringt, daran wird man erkennen, wes Geistes Kind wir sind. Welche innere und äußere Haltung wir an den Tag legen, darauf kommt es an. Jesus stellt hier keine Forderungen auf, er beschreibt Wirkungen und Konsequenzen. Seine Zuhörer*innen damals und wir heute können entscheiden, woran wir glauben, wie wir handeln, doch wir haben die Konsequenzen daraus zu tragen.

In unserer Kirche ist jetzt sichtbar, was durch viele Jahre gewirkt hat. Zurzeit fallen die sogenannten schlechten Früchte vermehrt auf. Lügen, Kinder missbrauchen, Täter schützen und wegsehen, all das kann nicht von einem guten Baum, kann nicht von einer Kirche kommen, die im Sinne Jesu ist. Blinde, die Blinde führen oder sich von ihnen führen lassen: die Grube wartet und ist in vielen Fällen schon erreicht. Wir sollten weder verdrängen, schönreden noch auf diejenigen eindreschen, die solche Haltungen und Handlungen schlecht nennen und die Blindheit aufdecken. Besser wir konzentrieren uns auf das Pflanzen neuer, guter Bäume, auf die Pflegen unserer eigenen Augen und Einstellungen; besser wir verurteilen nicht andere Menschen, sondern helfen – wie Jesus – das Leben von Menschen leichter, froher und v.a. gerechter zu machen. Das wäre heilsam. Uns selbst um ein gutes Herz zu kümmern, aus dem Gutes erwächst, statt andere ständig zu ermahnen, ihnen den rechten Glauben abzusprechen und womöglich die Teilnahme an den Sakramenten zu verweigern.

Das eigene, gute, Beispiel zählt – über den Tod hinaus – mehr als alle schönen Worte und Belehrungen. Das gilt in der Kirche und in der Politik. Gerade jetzt. Folgen wir dem Beispiel Jesu in seiner Weite, Güte und Großherzigkeit. Damit unser Herz voll ist von der Freude an Gott und der Menschen Größe, voll ist von Vertrauen in die Stärke und Kraft anderer und der eigenen – so voll, dass unser Mund davon überfließt. Angst, Hass, Bevormundung und Kleingläubigkeit gibt es bereits zu viel in diesen Tagen in unserer Welt. Blinde, die Blinde in den Abgrund führen.

„Falsche und wahre Frömmigkeit“ lautet die Überschrift für das heutige Evangelium in der neuen Einheitsübersetzung. Leider fehlt der letzte Vers (46) dieses Kapitels über die wahre und falsche Frömmigkeit. Dort steht: Was sagt ihr zu mir Herr! Herr! Und tut nicht was ich sage?.

Tun wir also besser was Jesus sagt, anstatt lediglich Herr, Herr zu sagen. Folgen wir in unserer Haltung, in unseren Taten seinen Spuren, Und das bedeutet: ehrlich, mutig klar, auf der Seite der Schwachen und Unterdrückten sehen. In Wort und Tat. Dann sind wir fromm. Dann kann sich alles ändern: Für uns, unsere Kirche, unsere Gesellschaft, unsere Welt.

Dieser Beitrag wurde unter Predigten veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort auf Das gute Beispiel zählt – 8. Sonntag im Jahreskreis C

  1. Maria sagt:

    Liebe Gabriele.
    So kräftig und ermutigend .danke

Hinterlasse einen Kommentar zu Maria Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

+ 38 = 39

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>