So spricht Gott sein Ja – 2. Sonntag nach Weihnachten

Aus dem Evangelium nach Johannes, Kapitel 1
1 Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott.
2 Dieses war im Anfang bei Gott.
3 Alles ist durch das Wort geworden und ohne es wurde nichts, was geworden ist.
4 In ihm war Leben und das Leben war das Licht der Menschen.
5 Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst.
6 Ein Mensch trat auf, von Gott gesandt; sein Name war Johannes.
7 Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen.
8 Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.
9 Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.
10 Er war in der Welt und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht.
11 Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.
12 Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben,
13 die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.
14 Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.
15 Johannes legt Zeugnis für ihn ab und ruft: Dieser war es, über den ich gesagt habe: Er, der nach mir kommt, ist mir voraus, weil er vor mir war.
16 Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade.
17 Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus.
18 Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.

Autorin:
_MG_7932-web Birgit DroesserBirgit Droesser, Pastoralreferentin, war tätig in der Gemeindeseelsorge, Klinikseelsorge und im Theol. Mentorat Tübingen, jetzt Pfarrgemeinderätin in St. Bruno Würzburg

 
Die Predigt:
So spricht Gott sein Ja

Liebe Leserin, lieber Leser,
heute hören wie wieder den philosophischen Prolog aus dem Johannesevangelium von der Menschwerdung des ewigen Wortes Gottes. Ich möchte einen schlichten Liedtext aus dem Gotteslob “ Suchen und fragen, hoffen und sehn,“(Nr.457, Text aus dem Französischen von Michel Scouarnec) gegenüberstellen, in dem es heißt: „Auf unsre Armut lässt Gott sich ein. So spricht er sein Ja, so stirbt unser Nein.“

Auf unsre Armut lässt Gott sich ein
Gott wird Mensch. Der Ewige wird von Maria geboren und damit ist auch sein Sterben gesetzt. Gott wird den irdischen Tod erleiden. Der Johannesevangelist, der sein Evangelium um das Jahr 100 niederschrieb, wusste freilich um welchen Tod es sich handelte und was darauf folgte, die Auferstehung und Sendung der Jüngerinnen und Jünger. Gott wird Mensch, bleiben wir bei dem Satz. Er lässt sich ohne wenn und aber auf die Armut von uns Menschen ein. Ich möchte lieber sagen, auf unsere Armseligkeit lässt er sich ein. Denn jede und jeder hat seine persönliche Not mit sich selbst und oft genug auch mit Lebensumständen, die jedem Tag seine Schwere geben. Charakterliche Eigenschaften machen uns zu schaffen, die wir gerne ablegen würden, wie Jähzorn, Einbildung und Rechthaberei zum Beispiel. Manchmal sind es auch Veranlagungen, durch die Menschen anderen Schaden zufügen, der nicht wieder gut zu machen ist. Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt. Gott wird ein kleines Kind, das die Liebe seiner Eltern erfährt und doch Armut und Vertreibung durch den Hochmut der Herrschenden erleidet. Als Erwachsener teilt Jesus – so ist zu vermuten – das Leben der Bauarbeiter und lässt sich dann, als er öffentlich auftritt auf die Nöte der Menschen ein, auf Krankheit und Tod, wird schließlich selbst Opfer eines Machtapparates, den seine Botschaft aufstört. Was für ein Gott!

So spricht Gott sein Ja
Am Anfang dieses neuen Jahres dürfen wir uns heute wieder bewusst machen, dass Gott mit seiner Initiative, ein Mensch wie wir zu werden, sein Ja zu jedem und jeder von uns spricht. Um unseretwillen, um deiner- und meinetwillen ist Gott den Weg eines irdischen Lebens gegangen. Wir dürfen ihm in den biblischen Texten und im Gottesdienst begegnen. Auch nach jedem von uns streckt das göttliche Kind seine Arme aus. Gott bejaht unser Leben. Wir sind nicht einem blinden Schicksal ausgesetzt. Im Letzten wird Gott alles zum Guten lenken. Auf dieses Ja dürfen wir fest vertrauen.

So stirbt unser Nein
Über diese Aussage kann man lange sinnieren. Unter dem Ja Gottes stirbt unser Nein ihm gegenüber. Er wird an- und aufgenommen in seinem Eigentum. Ist das so? Wenn man aus der Perspektive der Kirche Ausschau hält, dann sieht man viele Neinsager, die sich vom Glauben und der Kirche abgewendet haben, die sich und ihre Kinder nicht mehr mit Gott vertraut machen. Das Ja Gottes scheint an ihnen abzuprallen. Er ist ihnen schal und gleichgültig geworden. Wenn man jedoch versucht einmal tiefer zu sehen, dann finden sich viele, viele Menschen, die auf der Suche sind nach dem Sinn ihres Lebens, die die Botschaft Jesu in ihrem Leben umsetzen, die das Wachstum des Reiches Gottes fördern, ohne dass sie es so nennen würden, Menschen guten Willens. Menschen anderer Glaubensrichtungen und Humanisten geben oft ein starkes Beispiel der Nächstenliebe und setzen sich phantasievoll für Arme und Bedürftige ein und engagieren sich im Umweltschutz. Sie alle geben Jesus eine Wohnung, ohne dass es ihnen bewusst ist. Karl Rahner hat sie einmal „anonyme Christen“ genannt.

Wer zum Glauben gefunden hat und immer wieder auf der Suche nach Gott ist, darf sich glücklich schätzen. Denn das göttliche Kind erhellt unser Leben und das Licht lässt sich von keiner Finsternis auslöschen oder überwinden. Gott spricht sein Ja zu uns und unter diesem Ja möge unser Nein Tag für Tag sterben. Amen

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