Maria aus Magdala legt Zeugnis ab für Jesus den Lebendigen – Hochfest der Auferstehung des Herrn / Ostersonntag

Aus dem Evangelium nach Johannes, Kapitel 20
– Übersetzung Bibel in gerechter Sprache
1 Am ersten Tag nach dem Sabbat kam Maria aus Magdala früh, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war.
11 Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Als sie weinte, beugte sie sich in das Grab hinein
12 und sah zwei Engel in weißen Kleidern dasitzen, einer am Kopf und einer an den Füßen, wo der Körper Jesu gelegen hatte.
13 Sie sagten zu ihr: „Frau, warum weinst du?“ Sie sagte zu ihnen: „Sie haben meinen Rabbi fortgenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingebracht haben.“
14 Als sie dies gesagt hatte, drehte sie sich um und sah Jesus dastehen, aber sie wusste nicht, dass es Jesus war.
15 Jesus sagte zu ihr: „Frau, warum weinst du, wen suchst du?“ Sie dachte, dass er der Gärtner wäre, und sagte zu ihm: „Herr, wenn du ihn weggetragen hast, sage mir, wo du ihn hingebracht hast, und ich werde ihn holen.“
16 Jesus sagte zu ihr: „Maria!“ Sie wandte sich um und sagte zu ihm auf hebräisch: „Rabbuni!“ – das heißt Lehrer.
17 Jesus sagte zu ihr: „Halte mich nicht fest, denn ich bin noch nicht zu Gott, meinem Ursprung, aufgestiegen. Geh aber zu meinen Geschwistern und sage ihnen: Ich steige auf zu meinem Gott und eurem Gott, zu Gott, die mich und euch erwählt hat.“
18 Maria aus Magdala kam und verkündete den Jüngerinnen und Jüngern: „Ich habe Jesus den Lebendigen gesehen.“ Und dies hat er ihr gesagt.

Autorin:
def9d78cf6Gabriele Greiner-Jopp, verheiratet, lebt in Wendlingen, z.Zt. als Dekanatsreferentin, Gemeindereferentin und Beraterin tätig

 
Die Predigt:
Maria aus Magdala legt Zeugnis ab für Jesus den Lebendigen

Liebe Leserin, lieber Leser,

Plötzlich fällt es mir wie Schuppen von den Augen:
Frauen waren es, die als erste die Oster Botschaft verkündeten – die unglaubliche!
Frauen waren es, die zu den Jüngern eilten,
die atemlos und verstört die größte aller Nachrichten weitersagten: Er lebt!
Stellt euch vor, die Frauen hätten in den Kirchen Schweigen bewahrt!

So schreibt Märta Wilhelmsson in ihrem Gedicht.
Maria aus Magdala jedoch richtete aus, was ihr der Herr gesagt hatte –so heißt es im Evangelium.
Damit gestaltet sie Zukunft. Stellen Sie sich vor, Maria hätte geschwiegen, sie hätte Jesu Botschaft nicht ausgerichtet: wahrscheinlich gäbe es heute keine Christen. Indem sie vom Unglaublichen Zeugnis gibt, dass einer, der als Verbrecher gestorben ist, lebt, von Gott auferweckt wurde, ermöglicht sie, dass wir heute von Jesus Christus wissen und an den Auferstandenen glauben. Damit gestaltet sie Zukunft von Kirche. Doch aus welchem Glauben heraus ist ihr das möglich?

Die biblische Maria aus Magdala hatte eine tiefe und lebendige Beziehung zu Jesus. Deshalb bringt sie eine große Trauer um den Verlust ihres Freundes mit an sein Grab. Von sieben Dämonen hatte Jesus sie befreit; von welchen genau sie getrieben war, wissen wir nicht. Aber wie es ist, frei zu werden von dem, was uns hetzt, klein hält, abhängig oder gar gefangen, davon können viele Frauen ein Lied singen. Bis zum heutigen Tag, überall auf der Welt. Maria aus Magdala schließt sich nach ihrer Heilung dem JüngerInnenkreis um Jesus an und gehört wohl mit zu den Frauen, die die Gruppe um Jesus auch finanziell unterstützen. Kirchenväter werfen sie später in einen Topf mit der Sünderin beim Gastmahl und machen aus ihr eine Hure. Das steht zwar nicht im Neuen Testament, aber dieses Schicksal teilt sie mit anderen Frauen. Wer stark ist, eigenständig als Frau, wer ungewöhnliche Wege geht, wird leicht an den Pranger gestellt, in ein schiefes Licht gerückt. Das erfahren Frauen bis heute. Maria aus Magdala lässt sich nach ihrer Heilung nicht mehr beirren. Mit anderen Frauen zusammen harrt sie aus beim Kreuz und leidet mit beim Sterben Jesu. Und dann muss sie zum Grab – dem Ort ihrer Trauer, auch wenn es gefährlich ist, selbst für Frauen. Auch darin ist sie anderen Frauen ähnlich, die ihrer Trauer Raum geben, anstatt sich einzuschließen, die lernen wollen, mit dem Verlust umzugehen, statt in Angst und Trauer zu versteinern und die sich damit angreifbar machen. Denken wir an all die Frauen, die öffentlich um ihre gefangenen oder getöteten Angehörigen trauern und in Diktaturen daran gehindert werden.

Maria aus Magdala macht am Ort ihrer Trauer eine überraschende Erfahrung: wie früher in ihrer Krankheit, dann als Jüngerin, so wird sie jetzt in ihrer Trauer ernst genommen. Sie ist gefragt. Zuerst von den Engeln, dann von Jesus selbst. Das Gefragt – Sein und Gesehen – Werden ermöglicht ihr eine erste Umkehr vom Grab weg, hin zum Leben in Richtung Garten. Als sie dies gesagt hatte, drehte sie sich um und sah Jesus dastehen, aber sie wusste nicht, dass es Jesus war….Sie dachte, dass er der Gärtner wäre. Es ist passend, finde ich, dass Maria Jesus ausgerechnet mit dem Gärtner verwechselt. Gärtner gestalten Rückzugs- und Lebensräume von Menschen. Sie gestalten den Ort, an dem offenkundig wird, wie sich das Leben ständig wandelt und erneuert. Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bringt es keine Frucht. Das erleben und bewirken Gärtner.

Was in der Geschichte vom Ostermorgen nun folgt, ist im Johannesevangelium einmalig: Jesus redet Maria mit ihrem Namen an. Erneut tritt er in eine unverwechselbare Beziehung zu ihr und bestätigt damit alles, was Maria erlebt, erlitten und aufs Spiel gesetzt hat. Das ermöglicht ihr eine zweite Wende, weg vom Ort der Trauer, vom Grab, hin zum Leben. Beim Namen gerufen zu sein, das ermöglicht Identität. Maria wird als Person bestätigt. Weil sie weiß, wer sie ist, erkennt sie wer er ist: ihr Rabbuni, ihr Lehrer.

Verwandeltes, neu geschenktes Leben, das Leben überhaupt, lässt sich jedoch nicht festhalten, auch das lernt Maria am Grab im Garten. Jesus als den Auferstandenen zu glauben, das braucht Zeit zum Wachsen und Reifen, dazu ist Gottes Geistkraft nötig, deren Sendung wir in 50 Tagen feiern. Was Maria tun kann, das tut sie: sie legt Zeugnis ab, dass Jesus lebt. Sie legt Zeugnis ab, dass der Tod vor Gott nicht das letzte Wort hat.
Glauben wir ihr, was sie verkündet?

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Eine Antwort auf Maria aus Magdala legt Zeugnis ab für Jesus den Lebendigen – Hochfest der Auferstehung des Herrn / Ostersonntag

  1. Kähny sagt:

    „…die Sehenden blind- und die Blinden sehend machen…“.

    Ist nicht eben dies die evolutionäre Pessach-Erfahrung:
    ER, der „Richter“ stirbt selbst den Kreuzestod.

    Die Liebe – zu IHM – macht scheinbar doch nicht blind…

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